100 Menschen in einer Schnecke und die „Waffen des 21. Jahrhunderts“

Eine erlebnisreiche und gespraechsvolle erste Woche in der Bibliothek Frederiksberg

FKB

Frederiksberg Bibliothek, Hauptgebäude

Die Kommune Frederiksberg (offiziell eine eigene Stadt, die mitten in der Kopenhagener Innenstadt liegt) legt viel Wert auf Kultur – sie ist zudem eine der reichsten Gegenden in Kopenhagen. Als Bibliotheksmitarbeiter merkt man ziemlich schnell, wieviel Mittel die Frederiksberger Bibliothek zur Verfuegung haben muss. Die Mitgliedschaft als Kunde ist in daenischen Bibliotheken kostenlos, genauso wie Reservierungen, Fernleihen, Bestseller-Service und saemtliche andere Angebote der Bibliothek – das kann man sich leisten, weil die daenischen Steuereinnahmen um einiges hoeher sind als in Deutschland, und mehr von dem Geld in den Kultureinrichtungen fliesst (zumindest, wenn die Kommune es so will).

 

Na, du Schnecke?

Abgesehen von diesen Angeboten der Frederiksberg Kommuner Bibliotek, wie z.B. das Streaming von Filme und Musik von Zuhause aus oder die Moeglichkeit, woechentlich einen Anwalt in der Bibliothek zu treffen, um Fragen zum Recht oder zu den eigenen legalen Schwierigkeiten zu stellen (man beachte – es ist immer noch alles gratis!) gibt es auch viel anderes in der Bibliothek zu entdecken, wie die sogenannte „Schnecke“, eine rechteckige Wendeltreppe, die einen Zeitschriftenlesesaal beinhaltet und nach unten zum Musik- und Kinder- und Jugendlichenbibliothek fuehrt.

Die schnecke

Die „Schnecke“

Die „Schnecke“ ist auch ein Treffpunkt fuer Musiker und Publikum, denn im Rahmen der Zusammenarbeit mit der skandinavischen Musikzeitschrift Gaffa werden hier ab und zu in der Bibliothek kleine Livekonzerte veranstaltet, bei der aus der Abteilung Musik ein Kollege (auf den ich uebrigens sehr neidisch bin) mit Kuenstlern von nah und fern Interviews fuehrt oder manchmal einfach nur ein wenig plaudert. Dabei sitzen dann 100-200 musikinteressierte Besucher im Publikum, die gerne dazu eingeladen sind, Fragen zu stellen oder mit dem Kuenstler gemeinsam einen Bier zu trinken.

 

Waffen fuer die Jagd nach den Jugendlichen

Am Mittwoch stellte mir sich Uffe vor, der sehr viel im Bereich Jugend taetig ist. Ich fuehrte mit ihm ein „kleines“ Gespraech ueber seine Arbeit und seine Strategie in diesem Bereich – eigentlich hatten wir eine dreiviertel Stunde fuer das Gespraech eingeplant, aber es wurde dann doch anderthalb Stunden daraus. Er hat immer viel zu erzaehlen. Fuer jede Beute gibt es eine Waffe, erklaert er, und bei den Jugendlichen ist es genauso – man kann nicht einfach so loslegen, sondern man muss seine Beute gut beobachten um zu wissen, welche Waffe man waehlt.

Diese „Waffen des 21. Jahrhunderts“, von denen er spricht, sind Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen, die wenig Kontakt zur Bibliothek haben. Hier zaehlt sowohl eine Affinitaet fuer digitale Kommunikationsmittel wie auch den Umgang im echten Leben. Uffe ist gross, breit, kahl geschoren und muskuloes – man kann ihn sich sehr leicht als Jaeger vorstellen, mit etwas Grosskalibrigem um den Ruecken geschnallt. Aber der erste Eindruck taeuscht, er ist sehr hilfsbereit, zuvorkommend und einfach ein netter Mensch. Was auch bei den Jugendlichen gut ankommt. Ich habe hier leider nicht den Platz, unseren gesamten Gespraechsablauf abzutippen.

Notizen

Nur ein kleiner Auszug aus meine Notizen zum Gespraech mit Uffe…

Meine erste Woche hier war ungeheuer informativ – ich habe noch viel mehr erlebt und gelernt, als ich hier erwaehne, und es wird wahrscheinlich noch viel mehr dazukommen. Kopenhagen ist eine sehr interessante Stadt, es gibt auch waehrend der Freizeit hier vieles zu entdecken und zum erleben.

Also, wie man hier so sagt: Hej hej og vi ses!

Von Philip Orr

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6 Kommentare zu “100 Menschen in einer Schnecke und die „Waffen des 21. Jahrhunderts“

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