Hundert Jahre Erster Weltkrieg – subjektiv gefiltert (1)

Liebe Leser,

wann reißt euch Geschichte mit? Wie kann die Zeit von vor Hundert Jahren die Menschen von heute anrühren?

In Vorbereitung zu diesem Beitrag über den Ersten Weltkrieg habe ich seit vielen Wochen das Netz beobachtet und fühlte mich fast erschlagen davon, wie viel über den Ersten Weltkrieg digital zu finden ist. Also musste ich mich für einen „Filter“ entscheiden. Konzentriere ich mich auf Regionales, auf Film- oder Tondokumente, auf Archive oder Buchempfehlungen? Da ich objektiv betrachtend nicht weiter kam, drehte ich den Spieß um: „Ich gehe einfach von mir aus, ich bin der „Filter“ 😉 .

Heute stelle ich mir die Frage: Was habe ich für einen Bezug zum Ersten Weltkrieg? Und im zweiten Teil stelle ich euch Internet- und Social Media „Fundstücke“ vor, die mich überrascht, beeindruckt und zum Nachdenken angeregt haben.

Los geht’s mit mir.

Wann reißt mich Geschichte mit? Für mich stelle ich immer wieder fest, dass ich weniger an Herrschern und Politikern interessiert bin, ich bin eher bei den kleinen Leuten, bei der Alltagsgeschichte. Aber am meisten berührt mich Geschichte, wenn ich den Bogen zu meiner Familie schlagen kann, wenn ich ahnen kann, warum sich Dinge so entwickelt haben, wie sie heute sind …

Hundert Jahre – so weit weg fühlt sich das für mich nicht mehr an. Ich kann inzwischen selbst auf fast 50 Jahre (subjektiv erlebte) Geschichte zurückblicken. So manches scheint, als wäre es gestern gewesen und doch wird der Abstand immer größer: 10 Jahre, 20 Jahre …

Meine Oma war 9 Jahre, als der Erste Weltkrieg begann. Nie habe ich sie danach gefragt. Der Zweite Weltkrieg war in unserer Familie viel präsenter. Da habe ich nachgebohrt, wollte wissen, wie sie es geschafft hat zu überleben mit elf Kindern auf der Flucht. Aber wie hat sie den Ersten Weltkrieg erlebt? Diese Frage stelle ich mir erst jetzt. Ich kann sie nicht mehr fragen. Vielleicht weiß mein Vater etwas …

Woran erinnere ich mich, wenn ich an den Ersten Weltkrieg denke? Ich war 16, als ich das erste mal das Lied „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader hörte. Und genau wie damals bekomme ich Gänsehaut und Wut steigt in mir auf. Wut, weil ich mich ohnmächtig fühle, wenn Menschen von Regierungen benutzt werden und ihr Leben lassen müssen.

Ich las den Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque und war zu tiefst erschüttert. Was für ein sinnloses und grauenvolles Gemetzel.
Peter Eickmeyer hat in diesem Jahr den Roman als Graphic Novel herausgebracht. Wie auch im Wader-Song tauchen Mohnblumen als trügerisch friedliches Bild auf. Ihr könnt das Buch gerne bei uns ausleihen. Wenn ihr direkt mal rein schauen wollt, wie Eickmeyer das Buch gestaltet hat, bitte: http://www.splitter-verlag.eu/im-westen-nichts-neues-graphic-novel.html. Ich finde es absolut empfehlenswert.

Was verbindet ihr mit dem Ersten Weltkrieg? Habt ihr auch solche „Schlüsselerinnerungen“? Gibt es in euren Familien vielleicht ein Kästchen mit alten Postkarten und Briefen von den Urgroßeltern?

Im nächsten Teil werde ich euch, wie versprochen, „meine“ Internet- und Social Media-„Fundstücke“ vorstellen.

Viele Grüße
Eure Beate Sleegers

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Über b.sleegers

Arbeitet und bloggt für die Stadtbücherei Erkrath.

2 Kommentare zu “Hundert Jahre Erster Weltkrieg – subjektiv gefiltert (1)

  1. 100 Jahre ist das nun schon her, schon fast gar nicht mehr wahr. Ich habe den 1WK. als Erinnerung an die Schlachtfelder von Verdun, das Fort Duaumont, das erste mal wahr genommen, Es war ein merkwürdiges, unwirkliches Gefühl , als ich als Kind mit meinen Eltern das 1 mal nach Verdun fuhr. Ich weiß noch an der Zufahrtsstraße standen überall Schilder, das man nicht den Wald gehen sollte, weil überall noch Munition lag, Das war in den 70er Jahren. Und ich weiß noch, das die Aufpasser die damals das Fort betreuten Veteranen des 1 WK waren und ihre Orden stolz trugen. Und ich erinnere mich an das merkwürdige Geräusch, als ich mit Vater auf dem Duaumont stand, So eine quitschen und knattern und rasseln, ich fragte Vater was das sei und in diesem Moment kamen Panzer der franz. Armee in unser Blickfeld. Mir hat das als Kind Angst gemacht. Dann erinnere ich mich, das mir viele Jahre später belgische Freunde erklärten der 11.11 sei das Datum des Endes des 1. WK und das würde bei ihnen immer noch gefeiert.
    Geschichte reißt mich mit, wenn ich Romane darüber lese oder gut gemachte Filme sehe. und ich sehe mir gern die Fotos und wenigen Filmaufnahmen von damals an.
    Aber eigentlich interessiert mich an dieser Zeit eher die Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Wie sich im Zuge des 1 WK die Gesellschaft gewandelt hat. Die 20er Jahre, da auch die Musik , die Mode, die enormen gesellschaftlichen Veränderungen.

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    • Hallo kristallundrosen! Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und die Einblicke! Ja, 100 Jahre – so weit weg und doch so nah, wenn man bedenkt wie viele Kriege seither auf der Welt geführt wurden und werden. Mich macht das immer sehr nachdenklich und ich frage mich: Kommen wir irgendwann an einen Punkt, wo wir wirklich aus der Geschichte lernen und in der Lage sein werden Konflikte auf andere Art und Weise zu lösen? Die aktuelle Lage stimmt mich da leider sehr pessimistisch und traurig… [ad]

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