Damals … vor 25 Jahren (2)

Liebe Leser,

wie gesagt, wer das Wort Mauerfall schon nicht mehr hören bzw. lesen mag, der kann jetzt schnell wegklicken ;-).

Für mich sind diese Tage eine ganz emotionale Zeit, denn vor 25 Jahren hat sich auch mein Leben radikal verändert. Ja, ich komme aus dem Land, wo die Bibliotheken liebevoll Bibo genannt wurden … Mit besonderem Interesse beobachtete ich in den letzten Wochen den Buchmarkt, durchstöberte das Web und bin extra nach Berlin gereist 😉 .

Herausgepickt aus der Fülle der Angebote geht es heute weiter mit

Web-Tipps und Zonengeschichten.

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  • Als Einstieg ins Thema empfehle ich das Informationsportal „Politische Bildung“ mit seiner Themensammlung 25 Jahre Berliner Mauerfall – Aufbruch ´89 . Sehr umfang- und abwechslungsreich! Die Quellen werden kurz vorgestellt und zusätzlich auf Bücher, Projekte und Videoclips hingewiesen.
  • Da läuft in Echt und im Netz ein super spannendes Projekt. Ich sage nur zwei Zauberwörter: Storytelling – crossmedial 😉

crossing borders blog und grenzgeschichten.net

“Grenzgeschichten – crossing borders” erprobt das crossmediale Storytelling mit Jugendlichen. Schüler und Studenten werden zu Smartphone-Reportern, zu Poesie-Interpreten, zu investigativen Archiv-Forschern, Spurenlegern und Spielern im Web. Sie erzählen uns Geschichten, die aus Ländergrenzen heraus entstehen und nutzen dabei die besondere Erzählstruktur des Projektportals grenzgeschichten.net, das im Mai 2014 gelauncht wurde. …
Es geht um die deutsch-deutsche Teilung, um spannende Biografien, um Konflikte zwischen Ländern, Ethnien und Religionen, um Vertreibung, Flucht und Zuflucht in Europa und überall auf der Welt. Aber auch Grenzen wie die zwischen arm und reich, öffentlich und privat werden thematisiert“

Irre, was hier auf die Beine gestellt wird! Mir gefällt besonders, dass es nicht nur um deutsch-deutsche Grenzgeschichten geht, denn nicht nur wir Deutschen hatten ein Grenzproblem. Und ich finde es klasse, dass junge Leute aktiv Geschichte und Geschichten auf der Spur sind und die ganze Palette der digitalen Plattformen mit ihren Möglichkeiten ausprobieren können, von Blog bis Facebook oder Twitter. Das Projekt ist offen und wer mag, kann mitmachen.

  •  Zeitgeschichte auf Twitter

Quasi „zeitnah“ können wir auf Twitter die Ereignisse von vor 25 Jahren verfolgen. Heute vor 25 Jahren @Mauerfall89 ist ein Projekt der Stasi-Unterlagen-Behörde, des Zentrums für zeithistorische Forschung Potsdam und von BILD und postet Infos zu Demonstrationen, Reaktionen und Beschlüssen der Stasi u.v.m taggenau. Ich finde es spannend, die „historischen“ Tweets zwischen all den anderen Tweets zu lesen. Manchmal ergeben sich interessante Parallelen und die Zeit von damals kommt mir wieder viel näher. Sorry, jetzt wiederhole ich mich, aber es ist so ;-).

Das liest sich dann so in meiner Timeline:

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#de25, #mauerfall, #Mauerfall oder #Grenzgaenger sind nur einige der Hashtags über die man Twitter nach Meldungen zu „25 Jahre Mauerfall“ durchsuchen kann. Wer keinen Twitteraccount hat und sich dennoch mal ein Bild von der Twitterlandschaft machen möchte, kann mit Hilfe der Suchmaschine TOPSY u.a. auch nach Twittermeldungen suchen. Ein Beispiel gefällig? Dann bitte mal klicken:

(Wer sich über die Vielfalt von Topsy informieren möchte, bekommt hier eine kurze Einführung: http://blog.xeit.ch/2014/05/suchmaschinen-fuer-soziale-netzwerke-topsy-und-buzzsumo/ )

Die Zone in der Zone.

Wie aber sah die Mauer aus? Was verbirgt sich hinter diesem Wort? Mauer, klingt so harmlos … Nehmt euch 10 Minuten Zeit. Der folgende Film zeigt wie wenig harmlos diese Mauer war. Hieß ja bei uns auch nicht Mauer sondern: Antifaschistischer Schutzwall

Ich bin immer wieder erschüttert. Welche Angst hatte dieses Land DDR, dass es solche Grenzen nötig hatte?

Als Kind habe ich diese Grenze nicht hinterfragt, sie war einfach da. Meine Oma wohnte im Sperrgebiet, ein 5-Kilometer breiter Streifen entlang der Grenze zur Bundesrepublik.
Wenn wir Oma besuchen wollten, mussten wir erst einen Passierschein bei der Polizei beantragen, der mal genehmigt wurde und dann wieder nicht. Wir knatterten mit unserem Trabi Richtung Grenze und mussten an einem Schlagbaum halten. Ein Polizist mit Schäferhund ließ sich die Papiere vorzeigen, begutachtete kritisch das Auto, und wenn ich mich richtig erinnere, durften wir auch nur in das Dorf meiner Oma fahren, nicht in die Nachbardörfer.

Mit den Jahren begann das kritische Hinterfragen. Warum können wir unsere Oma nicht besuchen, wann wir wollen oder wenn sie uns braucht?
Als Freunde von mir ihren Ausreiseantrag genehmigt bekommen hatten, waren die Besuche im Sperrgebiet für mich besonders bizarr. Ich blickte sehnsuchtsvoll Richtung Westen und spürte die Grenze, die Trennung auf Ewig, mit voller Wucht.

Heute genieße ich es, ganz entspannt über die ehemalige Grenze zu fahren. Vom Zug aus halte ich Ausschau nach dem alten Kontrollhäuschen, heute ohne Schlagbaum, blicke gespannt Richtung Dorf, fahre an einem alten Grenzturm vorbei und weiß, dass ich jetzt wieder im „Westen“ bin. Wer mich in diesem Moment beobachtet, wird eine Frau sehen, die übers ganze Gesicht strahlt wie ein Honigkuchenpferd :-).

Was haben wir doch für ein Glück gehabt!

Viele Grüße
Eure Beate Sleegers

PS: Einen Beitrag habe ich noch. 25 Jahre nach dem Herbst der Entscheidung machte ich mich erstmals wieder auf in die neue alte Hauptstadt. Wer mag, schaue hier in den nächsten Tagen wieder vorbei, ich würde mich freuen!

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Über b.sleegers

Arbeitet und bloggt für die Stadtbücherei Erkrath.

5 Kommentare zu “Damals … vor 25 Jahren (2)

    • Vielen Dank 🙂
      Damals war ich mir ziemlich sicher, dass die DDR-Regierung die „chinesische Lösung“ durchzieht. Ja, wir hatten Glück und ich bin so dankbar, dass es eine friedliche Lösung gegeben hat.

      Gefällt mir

  1. Pingback: Damals … vor 25 Jahren (3) | Die Stadtbücherei Erkrath bloggt

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