Damals … vor 25 Jahren (3)

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Liebe Leser,

war ich aufgeregt. Dieses Jahr sollte es soweit sein: 25 Jahre nach dem Herbst der Entscheidung machte ich mich erstmals wieder auf in die neue alte Hauptstadt. In Damals (1) und Damals (2) habe ich schon erzählt, dass ich aus dem Land komme, wo die Bibliotheken liebevoll Bibo genannt wurden :-).

Herrje, als ob meine Aufregung nicht schon gereicht hätte, drohten auch noch Lokführer und Piloten mit Streiks. Meine Kollegen mussten schon lachen, weil ich mit jedem Tag hippeliger wurde. Ich musste mich richtig zusammenreißen, damit ich meine junge Begleiterin mit meiner Nervosität nicht anstecke. Aber wir  hatten Glück und erwischten eine Streiklücke ;-).

Fliegen ist so gei … genial

War das schön! Es ist so beeindruckend, über den Wolken zu fliegen. „Dahinten ist der Fernsehturm“, hörte ich mich rufen und beim Rückflug habe ich mir den Ausruf „Der Dom!“ gerade noch verkneifen können, aber trotzdem gestrahlt.

Berlin mobil

Wie ihr euch sicher denken könnt, brannte ich darauf, die alten Grenzen zu „passieren“, von Ost nach West und kreuz und quer. Wir setzten uns in die Buslinien 100 und 200 und genossen die Aussicht. In Berlin fahren Doppeldeckerbusse, und wenn du lang genug fährst, erwischst du auch einen Platz in der Pole­po­si­tion, oben ganz vorne :-).

 

Im Filmhaus läuft noch bis April 2015 eine super Ausstellung, „… und Action! Wie werden Film und Fernsehen gemacht?“. Kinder lieben es, wenn sie aktiv werden können, erst recht, wenn sie bei ihren Lieblingsfernsehsendungen „mitmischen“ können. Wir waren zufällig am Donnerstagabend dort und siehe da: Der Eintritt in alle Ausstellungen ist donnerstags von 16 bis 20 Uhr frei.

Als wir an der Friedrichstraße vorbei fuhren, kamen alte Erinnerungen hoch.
1985. Einem Freund war die Ausreise nach Westberlin genehmigt worden und wir begleiteten ihn auf seiner „letzten“ Fahrt durch die DDR. Damals gab es auch im Osten die ersten Koffer mit Rollen. Verständlicherweise hatte unser Freund den Koffer zum Bersten voll gepackt und mitgenommen, was möglich war. Aber die kleinen Kofferrollen packten das nicht, sie schmolzen regelrecht unter der Last. Zum Glück waren wir zu viert. Jeder packte ein Ecke und so gut es ging, hievten wir den Koffer bis zur letzten Station, zur Friedrichstraße. Ab da musste der Freund alleine weiter gehen. Wie er das gemeistert hat, weiß ich gar nicht. Wir drehten jedenfalls um und gingen erst mal einen Schnaps trinken.

SAM_0906

Ein Muss – Der Berliner Fernsehturm. Das Warten hat sich gelohnt. Wir setzten uns ins Restaurant, drehten ein paar Runden und genossen die Aussicht :-). Als Vorschulkind war ich das letzte Mal auf dem Fernsehturm. Das wir auch in den Westen sehen konnten, hatte mich damals noch nicht interessiert. Das war ein anderes Land und was ich so hörte, sollte es da „sehr böse“ zu gehen.

Gerne wäre ich heute Abend auf dem Fernsehturm, wenn die ehemalige Grenze nochmal aufleuchtet: Berlin leuchtet – Das Lichterfest von Berlin. Das wird sicher beeindruckend aussehen.

Mauerspuren

Nicht mit dem Bus sondern zu Fuß machten wir uns auf, um alte Mauerreste zu sehen. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie die Mauer von beiden Seiten aussah. Ich hatte mir die App „Die Berliner Mauer“ auf mein Smartphone geladen und konnte damit super verfolgen, wo es was zur Mauer zu erzählen gab, von Fluchtversuchen, Grenzpunkten, Fotos, Filme und und und. So liebe ich „neue“ Technik. Dass ich die Informationen an Ort und Stelle abrufen konnte, empfand ich als absolut bereichernd. Nur mit dem Auge von heute betrachtet wirkt vieles harmlos, die Menschen wirbeln herum und es ist kaum Ruhe, um mal in sich gehen zu können. Ein paar Eindrücke habe ich euch mitgebracht.

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Ich komme gerne wieder, nicht erst in 25 Jahren :-).

Berlin ist wirklich eine Reise wert. Ich war gespannt, wie das neue Berlin auf mich wirken würde. Es hatte nichts Beklemmendes mehr für mich. Im Gegenteil,  ich habe mich sehr wohl gefühlt. Bei meiner ersten Busfahrt in den Ostteil stiegen noch viele Emotionen in mir hoch. Aber dann war es auch gut und ich habe es einfach genossen, kreuz und quer in dieser quirligen und inspirierenden Stadt unterwegs sein zu können. Was für ein Glück!

Viele Grüße
Eure Beate Sleegers

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Über b.sleegers

Arbeitet und bloggt für die Stadtbücherei Erkrath.

4 Kommentare zu “Damals … vor 25 Jahren (3)

  1. Diese Erfahrung, nämlich mal durch Berlin zu streifen, fehlt mir noch 🙂
    Das ist eine sehr lebendige Stadt geworden mit einigen Gebäuden der Superlative

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich fühlt, nach so vielen Jahren
    Habt ihr noch Kontakt zu diesem Freund mit dem Koffer?

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  2. Ich habe vor vielen, vielen Jahren in Berlin studiert – im Osten Berlins, war dann zu DDR-Zeiten noch oft beruflich und privat dort, nach dem Mauerfall aber erst wieder 1999. Auch für mich war das ein unwahrscheinlich beeindruckendes Erlebnis. Mein größter Wunsch war noch zu DDR-Zeiten, einmal durch das Brandenburger Tor hindurchgehen zu können. Diesen Wunsch habe ich mir 1999 erfüllt. Es war für mich auch nach so vielen Jahren noch ein sehr bewegender Moment.
    Danke fürs Mitnehmen. Viele Erinnerungen sind beim Lesen urplötzlich wieder dagewesen.
    Liebe Grüße von der Silberdistel aus dem Bücherstaub

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    • Wenn Wünsche wahr werden …, wir sind schon Glückspilze :-), liebe Silberdistel.
      Unsere Erinnerungen sind ein unsagbar toller Schatz. Manchmal verändern sie sich bzw. fühlen sich je nach Lebensalter anders an oder neue Einsichten flammen auf. Und egal wo wir sind, wir haben sie immer mit dabei.
      Liebe Grüße
      Beate Sleegers

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