4. Advent – Warten auf das Christkind

Liebe Leser,

wer von euch kennt das nicht! Weihnachten naht, der Countdown läuft, der Stress bei den Erwachsenen scheint exponentiell dazu anzusteigen, es müssen noch Besorgungen für das Weihnachtsessen erledigt, Geschenke gekauft oder verpackt, Weihnachtsbesuche organisiert und Weihnachtskarten geschrieben werden. Doch Halt! Nehmt euch doch mal kurz ein paar Minuten Zeit und erinnert euch an eure Kindheit. Wie habt ihr damals die Weihnachtszeit erlebt?

Advent

Mein erster Höhepunkt jedes noch jungen Adventstages: Was ist heute im Adventskalender, gefolgt von der anschließenden Diskussion mit meiner Mutter, ob Schokolade nicht doch ein sinnvoller Frühstücksersatz sein könnte.

Knecht Ruprecht und das Christkind Quelle: von Unbekannt [Public domain], via Wikimedia Commons

Nikolaus

Zweiter Höhepunkt: Der Besuch des Nikolauses nebst Knecht Ruprecht im Kindergarten. Der Raum war fast dunkel, nur schwach erhellt von brennenden Kerzen. Weihnachtslieder wurden angestimmt. Die Luft erfüllt von spannender Aufgeregtheit bis hin zu gespenstischer Stille. Plötzlich ein „Hohoho“, gefolgt von einem Klopfen. Zu diesem Zeitpunkt stand ich quasi schon kurz vor einem Ohnmachtsanfall und das Herz klopfte bis zum Hals. Männer mit Bärten – darf man ja bei dem heutigen Trend kaum sagen – waren mir als Kind prinzipiell nicht geheuer und in erster Linie erst mal unsympathisch. Das führte dazu, dass ich mich nicht so recht entscheiden konnte, vor wem ich jetzt mehr Angst haben sollte: Dem Nikolaus oder dem sehr streng schauenden Knecht Ruprecht. Auf die obligatorische Frage, ob ich denn auch schön brav gewesen sei, konnte ich deshalb nur verschüchtert und in der Hoffnung nicken, dass meine über das Jahr angesammelten Missetaten dem Nikolaus bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht doch nicht zu Ohren gekommen wären. Und…es ging immer gut aus. Ich bekam mein Säckchen mit Nüssen und Mandarinen und das Geräusch meines Geröllhaufens, der mir just vom Herzen fiel, war bestimmt noch im Nachbardorf zu hören.

Weihnachtszeit

Als Kind habe ich immer gerne gebastelt und gemalt, eine für die Vorweihnachtszeit nicht ganz unwichtige Tätigkeit, weshalb das Dekorieren der Fenster mit allerlei Arten von Papier- und Strohsternen für mich ein Klacks war. Und auch meinen Wunschzettel künstlerisch auf’s Papier zu bringen war keine große Herausforderung. Ganz im Gegensatz zum Warten auf das Christkind – eine schier unlösbare Aufgabe. Da half auch alles backen und basteln nichts. Die Tage bis Weihnachten kamen mir als Kind schier endlos vor. Und ich habe meine Mutter bisweilen in den Wahnsinn getrieben mit der Frage, wie viele Tage es denn jetzt noch bis zum Weihnachtsabend seien. Aber dann – endlich – war er da, der lang ersehnte Tag…

Weihnachtsabend

Wer den Kindern die Geschenke bringt – ob Weihnachtsmann oder Christkind – ist in jeder Familie verschieden und hängt vielleicht auch von der Region ab, in der man aufgewachsen ist. Bei mir kam immer das Christkind. Also es kam nicht, es ist geflogen. Durchs Fenster. Alle Erwachsenen hatten es schon gesehen, nur ich nicht. Weil es komischerweise immer gerade durch das Fenster geflogen kam, das am weitesten von meinem Aufenthaltsort entfernt lag. Also beschloss ich eines lieben Weihnachtsmorgens, dass ich meinen Platz auf der Heizung am Fenster erst aufgebe werde, wenn ich besagtes Christkind in den Lüften erblicken würde. Für Wärme und Verpflegung war gesorgt. Das große Warten begann und nahm kein Ende. Eine Ewigkeit saß ich da, habe Löcher in die Luft gestarrt, Weihnachtsliedchen geträllert und den Schneeflocken beim Tanzen zugesehen. Nur das Christkind ließ sich nicht blicken. Stattdessen rumpelte es hinter mir verdächtig oft, Türen flogen auf und zu und auf dem Flur herrschte reger Betrieb. Bis irgendwann meine Mutter ins Zimmer kam und verlauten lies: Das Christkind sei da gewesen und hätte die Geschenke vorbei gebracht. Es war unfassbar! Da hatte ich stundenlang am Fenster gesessen und das Christkind hatte die Chuzpe heute aus der anderen Richtung zu kommen? Wie hatte das bloß passieren können? Aber ich hätte es doch sehen müssen, so oder so? War ich etwa doch nicht so aufmerksam gewesen? Ich war tief enttäuscht! Nach einer ersten Portion mütterlicher Trostspendung war ich dann doch in der Lage, das Wohnzimmer zu betreten. Und beim Anblick des funkelnden Tannenbaums und der bunten Geschenke kann man als Kind schon mal kurz das Christkind aus den Augen verlieren. Bis zum nächsten Jahr. Wenn sich dann wieder eine neue Chance auf ein Zusammentreffen bietet… 🙂

Und wie steht’s mit euren Kindheitserinnerungen? Hab ihr etwas wiedererkannt? Vielleicht erzählt ihr mal davon. Ich wünsche euch auf jeden Fall einen schönen vierten Advent und einen noch schöneren Weihnachtsabend!

Eure Angela Dauensteiner

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