Generation xy…aufgelöst (2)

Von Schokolinsen und Eisbonbons oder was Omas alles so bei sich haben

Ice-Bonbons und Minzdrops

Liebe Leser,

als ich neulich mit dem ICE gefahren bin, habe ich vom netten Zugpersonal eine Kleinigkeit zum Schmakofatzen bekommen und wurde beim Anblick von Schokolinsen und Eisbonbon gleich ein wenig melancholisch. Meine Oma hatte nämlich, wie wahrscheinlich alle Omas auf dieser Welt, unter anderem auch immer was Süßes in ihrer Handtasche und meistens haben wir Enkelkinder auch auf Reisen etwas davon abbekommen. Wenn ich so darüber nachdenke eigentlich lustig, denn bei ihr Zuhause hatte ich zwar Kenntnis davon, in welchem Schrank sie die Süßigkeiten versteckt, aber die wurden mir meistens von der Oma verweigert und waren nur mit einem Beutezug und Opas Hilfe zu ergattern. Außerdem hatte ich natürlich in jungen Jahren auch noch keine Kenntnis darüber, was Frauen so alles in ihrer Handtasche mit sich führen können.

Neben den Süßigkeiten gab es da bei Oma auch immer so Feuchttücher mit Zitronenduft, oder schlimmer, 4711. Darf ich ja jetzt eigentlich nicht sagen, weil Köln Luftlinie gar nicht so weit weg ist, aber für mich war und ist der „Kölnisch Wasser“ Duft, ich sag mal, gewöhnungsbedürftig. Zumal einem damit nach getaner Naschtätigkeit auch noch übers Gesicht gewischt wurde. Ekelhaft! Aber ich schweife ab. Schokolinsen und Eisbonbons standen in der Süßigkeiten-Mitführliste meiner Oma jedenfalls ganz oben. Und ich habe die Dinger schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen, geschweige denn gegessen.

Es gibt ja Nahrungsmittel und Essensmarotten, die verbindet man einfach mit seiner Kindheit. Bei mir kam kein Wurstbrötchen auf den Tisch, wenn drunter kein Ketchup war, bei der Pilzwurst wurden immer zuerst die Pilze rausgepuhlt und da ich aus dem süddeutschen Raum komme, musste alles mit einer ordentlichen Portion Soße übergossen oder unter selbiger begraben werden. Schlimm, ich weiß, aber diese Essens-Fauxpas habe ich mir glücklicherweise im Laufe des Erwachsenwerdens abgewöhnt. Geblieben ist hingegen meine Liebe für Suppen und Eintöpfe. Besonders die von meiner Oma habe ich hingebungsvoll in mich hineingeschlemmt. Dampfnudeln und „Ofenschlupfer“ waren ein Gedicht, während hingegen meine Abneigung gegenüber Rosenkohl geblieben ist. Und wo wir gerade schon quasi in der Küche sind, die viel gepriesenen Pril-Blumen, die man von der Spülmittelflasche abknibbeln konnte und zahlreiche Küchenfliesen verschönert haben, müssen an dieser Stelle auch mal kurz erwähnt werden.

Tja und heute? Bin ich erwachsen, Pril-Blumen, Schokolinsen und Eisbonbons sind längst aus meinem Leben verschwunden, aber bei deren Anblick muss ich immer noch an meine Oma denken. Und ist das nicht eigentlich das Schöne daran, wenn man ganz plötzlich und unverhofft wieder mit seiner Kindheit konfrontiert wird und dadurch für einen kurzen Moment wieder mit lieben Menschen verbunden ist? Vielleicht klappt das ja auch mit einem kleinen Blogartikel… 😉

Viele schöne Erinnerungen wünscht euch Angela Dauensteiner

 

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9 Kommentare zu “Generation xy…aufgelöst (2)

  1. Ein wirklich netter Beitrag. Bei meiner Omi stand auf dem Wohnzimmertisch immer ein hübsches kleines Döschen mit grünen Pfefferminzhütchen. Die waren nicht für Kinder gedacht und mir eigentlich viel zu scharf, aber die Versuchung war doch meistens zu groß… Auch gab es dort für uns Kinder etwas zu naschen und zwar immer einen einzelnen Riegel Kinderschokolade. Köstlich! Süßigkeiten gab es für uns früher zwischendurch eigentlich nicht. Deshalb war es etwas Besonderes und man sah es uns auch an, denn dicke Kinder gab es eigentlich auch nicht.Omi hatte außerdem einen Kachelofen, in dem gerne Bratäpfel brutzelten. Auch sehr köstlich!

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  2. Meine Oma hatte auch immer Pfefferminzbonbons oder andere Bonbonbs in ihrer Handtasche. Jeden Donnerstag gab es bei meiner Oma zudem Milchsuppe , immer in einer anderen Variante, mal mit Pflaumen, mal mit Nudelen, dann mal mit Kirschen oder Reis. Darauf habe ich mich immer gefreut :-). Vielen Dank für den schönen Artikel, ich musste jetzt auch an die schöne Zeit mit meiner Oma zurück denken ;-).

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  5. Angela! Ich schwelge in Schlemmererinnerungen. Nun, meine Oma hatte kleine, sehr hübsche speckige Hände, die das allerbeste Essen und wunderbare Kuchen auf den Tisch zauberten, von denen ich Unmengen futtern konnte. In ihrer Handtasche hatte sie nix Süßes, jedoch immer einen Fünfer für ihren Lieblingsenkel. Der Rest der Bande schaute in die Röhre. Immerhin, dort schmurgelte es. Für uns alle. Groß und Klein. Und ich gewann jedes Wettessen. Solche Erinnerungen entschädigen. Mein gesunder Genießerappetit kam auf vielen Familienfesten beidseits des Stammbaumes auf seine Kosten.
    Kölnisch Wasser, Tosca, Lippenstifte mit Omma-Duft und Blätterkrokant, die Markenzeichen einer Oma, die mir meine erste „Wrängler“-Jeans kaufte und mir die Schamesröte ins Gesicht trieb, als sie die Verkäuferin nach einer Franglerhose fragte. Und mir zur Konfirmation einen gelben BÜSTENHALTER schenkte. Zu groß, aber stützend.

    Es grüßt Pierrine, geprägt in den 70zigern, die 80ziger überlebt!

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