Letztes Buch, letzter Text, letztes Interview – R.I.P. Henning Mankell

Liebe Leser,

Mankell_05736_MR.inddich war geschockt, erschrocken und vor allem traurig. Noch ein paar Tage zuvor hatte ich die neue Autobiografie für die Bücherei bestellt, als am 5. 10.15 die Nachricht kam: Henning Mankell ist tot.

Nun liegt  sein letztes Buch, „Treibsand – Was es heißt Mensch zu sein“, auf meinem Nachttisch und ab und an, wenn der richtige Moment sich Raum nimmt, lese ich eines der kurzen Kapitel. Es ist keine Autobiografie, die chronologisch einem Lebensweg folgt. Mankell hält seine Gedanken, Überlegungen und Ängste fest. Ausgehend von der Diagnose Krebs, was diese Krankheit mit ihm macht und welche Erinnerungen sie in ihm hervorruft, erfahren wir, was Mankell umtreibt. Wie verantwortungsvoll bzw. verantwortungslos gehen wir Menschen mit dem Planeten Erde um? Ein lesenswertes Buch in dem wir dem Wallander in Mankell sehr nahekommen.

Eine empfehlenswerte Rezension zu Mankells letztem Buch habe ich hier gefunden: http://www.abendblatt.de/kultur-live/buecher/article205814245/Treibsand-Mankell-schreibt-ueber-den-Krebs.html. Eine Leseprobe gibt es in unsere Onleihe.

„Der Autor schöpfte kurz vor seinem Tod noch Hoffnung. Sein Tumor wuchs nicht mehr. Es war der Wunsch des Verlags, den bisher unveröffentlichten Beitrag aus seinem Tagebuch in der „Presse“ abzudrucken.“

X saß auf der Bettkante und ich meinte, in ihren Augen sehen zu können, dass sie genügend Kraft hat, um diesen Kampf durchzustehen. Auch sie war nicht allein. Ein Angehöriger saß auf einem Stuhl neben ihrem Bett. Am Ende werden wir natürlich alle den Tod finden. Darum gilt es, sich der Worte des Schriftstellers P. O. Enquist zu entsinnen: „Eines Tages werden wir sterben. Aber an allen anderen Tagen werden wir leben.“

Mankells letzten Text könnt ihr hier nachlesen: http://diepresse.com/home/kultur/literatur/4837217/Mankells-letzter-Text_In-der-Nacht-zogen-kalte-Windstosse-vorbei

978-3-552-05701-2-Kleines-Cover-120x197Im September 2015 waren wir alle von der aktuellen Flüchtlingssituation wie elektrisiert. Mit großem Interesse las ich in einem Interview, was Mankell dazu zu sagen hatte. Seit den 80er Jahren arbeitete und lebte Mankell in Afrika. Es war zu seiner zweiten Heimat geworden. Schon 2001 hatte er mit seinem Roman „Tea-Bag“ Einblicke in die illegale Welt der Einwanderer gegeben.

Mankell letztes Interview in der FAZ : „Henning Mankell im Gespräch: Europa heuchelt, was die Zahlen angeht. Als Kenner Afrikas weiß der schwedische Autor, dass Flüchtlinge Lügengeschichten erfinden um zu überleben – und würde es genauso machen.26.09.2015, von Lena Bopphttp://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-zukunft/luegen-um-zu-ueberleben-henning-mankell-im-interview-13823731.html

Nach seinem letzten Buch, seinem letzten Text und seinem letzten Interview gibt es ganz viel was bleibt vom schwedischen Autor Henning Mankell. Schaut mal auf seiner Homepage vorbei, seht euch die Fotos an, sie zeigen, wofür Mankell „brannte“: für das Theater, für seine Bücher, aber vor allem für die Menschen in Afrika.

978-3-552-05680-0-Cover-Libreka-1400x2298Das wird auch in meinem Lieblingsbuch von Mankell deutlich „Der Chronist der Winde“, eine Geschichte über das Straßenkind Nelio (1995). Es ist die Sprache, Mankells poetische Erzählweise, die mich anrührt und die Geschichte so intensiv werden lässt. Ich habe vor Jahren das Buch gelesen, Freunden verschenkt und gerade traf es mich wieder mit voller Wucht, diesmal als Hörbuch, vorgelesen von Edgar M. Böhlke.

„Meine Geschichte ist zu Ende, und sie beginnt immer wieder von vorn. Zu guter Letzt wird sie wie ein unsichtbarer Ton eingebettet sein im ewig rauschenden Wind vom Meer. Sie wird in den Regentropfen sein, die auf die dürre Erde fallen, und schließlich in der Luft, die wir atmen. Ich weiß, es ist wahr, was Nelio sagte, daß unsere letzte Hoffnung ist, uns darauf zu besinnen, wer wir sind, daß wir Menschen sind, die niemals über die lauen Winde vom Meer gebieten können, aber vielleicht irgendwann einmal verstehen werden, warum die Winde ewig wehen müssen.“ (Mankell: Chronist der Winde. 1995, ISBN 3552049819, S.264f.)

Henning Mankell in Bethlehem
von PalFest, Henning Mankell in Bethlehem, CC BY 2.0 https://www.flickr.com/photos/palfest/

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In Gedenken an Henning Mankell
Eure Beate Sleegers

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. mickzwo sagt:

    ‚Der Chronist der Winde‘ hat mich sehr beeindruckt. https://allesmitlinks.wordpress.com/2015/02/18/der-chronist-der-winde/

    Gefällt 1 Person

    1. b.sleegers sagt:

      Vielen Dank für den Link zur ausführlichen Rezension: „Ein zutiefst philosophischer Roman der kraftvoll ist und zärtlich zugleich. Mal brutal, dass es mir die Sprache verschlägt, mal betörend schön in den Bildern und natürlich traurig, ist diese Geschichte. Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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