Auf gute Nachbarschaft! Teil 2.2

Liebe Leser,

wer es noch nicht mitbekommen hat: Wir wollten unsere Nachbarschaft im Kaiserhof vorstellen und sind bei unserer Expedition auf unsere Archivarin Frau Stubenhöfer gestoßen. Und weil Sie uns so viel Interessantes erzählen konnte, wollten wir, der besseren Lesebarkeit wegen, das Interview auf mehrere Teile ausdehnen. Also folgt heute der zweite Streich…

Eingang Stadtarchiv im Kaiserhof

Eingang zum Stadtarchiv im Kaiserhof

Jetzt sitzen Sie im Kaiserhof ja quasi im Keller. Ist es denn für die Interessierten schwer das Stadtarchiv zu finden?

Wer mich finden will, der findet mich! 😉 Viele wissen, dass es Stadtarchive gibt. Die landen dann alle hier bei mir, zuerst telefonisch und anschließend auch in Persona. Und ich habe natürlich Kontakt zu Kollegen. Es gibt hier in Erkrath eine Menge Leute, die sich für Erkrather Geschichte interessieren, die aus Vereinen wie z.B. dem Bergischen Geschichtsverein, den Sebastianern oder den Ercroder Jonges kommen. Und wenn die Vereine ihre Schriften rausgeben, dann kommen die Leute auch zu mir ins Archiv. Ich bin hier also nicht abgeschieden, sondern habe eine Menge Publikumsverkehr! 😉

Und mit welchen Anliegen treten Interessierte an Sie heran? Gibt es ein Thema, was besonders nachgefragt wird?

Geburtsregister von 1901

Geburtsregister von 1901

Es gibt Leute, die stehen einfach vor der Tür und haben eine Frage. Neulich wollte beispielsweise jemand etwas über die Bedeutung des Kreuzes an der Autobahn wissen. Oder zum Thema Kriegsende. Das sind die eher „unstrukturierten Benutzer“, wie das im Archivchinesisch heißt. Dann gibt es Benutzer, die sehr gezielt fürs Examen, Studium oder die Schule eine Arbeit verfassen müssen und nach bestimmten Informationen suchen. Die rufen meist vorher an, besonders wenn sie von auswärts kommen. Momentan bilden die Familienforscher eine der Hauptgruppen. Weil nach einer Gesetzesänderung seit einigen Jahren die alten Standesamtsregister, die freigegeben wurden, im Archiv aufbewahrt werden und somit jeder drin suchen kann. Es gibt bestimmte Schutzfristen – Geburt 110 Jahre, Heirat 80 Jahre, Todesfälle 30 Jahre – in denen die Unterlagen beim Standesamt bleiben müssen und auch nur beschränkt benutzt werden dürfen. Aber es gibt eine Menge Familienforscher, die Stammbäume verfassen und dann hier im Stadtarchiv in den Registern nachschauen kommen, sobald die Schutzfristen aufgehoben wurden.

Brauch man denn dafür ein Nachweis, z.B. dass ich mit Person XY verwandt bin? Oder kann da jeder kommen und die Register einsehen?

Bei mir im Archiv ist das kein Problem, denn Archivgut ist, laut Archivgesetz, öffentlich zugänglich sobald die oben genannten Fristen verstrichen sind.

Welche Kosten muss ich dafür einkalkulieren?

Die reine Benutzung kostet nichts. Kopien sind kostenpflichtig. Bei schriftlichen Anfragen berechne ich natürlich die Arbeitszeit, die ich zur Erforschung brauche.

Und wenn ich beispielsweise als Schüler oder Studenten mit einem Thema zu Ihnen komme. Wie läuft das dann ab?

Die Schüler oder Studenten nennen mir erst mal das Thema. Und ich weiß dann meist schon, ob wir dazu was hier haben. Außerdem ist das Aktenmaterial durch sogenannte Findbücher erschlossen, in denen man z.B. nach Schlagwörtern suchen kann. Außerdem habe ich hier auch eine Zeitungssammlung, die für Schüler schon oft genügend Auskunft gibt, um sich die nötigen Informationen adäquat rausholen zu können. Oder ich schaue nach, ob vielleicht schon was zum Thema veröffentlicht ist. Mit den Akten arbeiten und die Daten auswerten, dass müssen die Schüler oder Studenten dann selber machen. Kopien dürfen sie natürlich mit nach Hause nehmen. Die Schwierigkeit taucht dann auf, wenn es zu weit zurück liegt und die Leute die Handschriften nicht mehr lesen können. Deshalb habe ich für alle Fälle hier immer ein Alphabet in altdeutscher Schrift hängen! 😉

Das bringt mich gleich zur nächsten Frage. Was würden Sie sagen, ist denn im Archivwesen die eklatanteste Veränderung in den letzten 20 Jahren?

Die eklatanteste Veränderung, die eigentlich erst jetzt anfängt zu greifen, ist die Tatsache, dass immer mehr Akten und Unterlagen in der Verwaltung elektronisch geführt werden. Und da muss man sich überlegen, wie die eines Tages archiviert werden. Es gibt für alle möglichen Unterlagen Regelungen, wie die Aufbewahrungsfristen dafür sind. Es gibt beispielsweise Unterlagen, für die eine dauernde Aufbewahrung vorgeschrieben ist. Und darüber hinaus kann auch ein Archiv sagen, ich würde gerne aus historischen Gründen die und die Akten dauernd aufbewahren, das ist die sogenannte Bewertung. Da muss man dann auch ein Gespür dafür haben, wo geht historische Forschung hin.

Das heißt man braucht eigentlich auch ein bisschen politisches Gespür, wenn man im Archiv arbeitet?

Ja, aber da bin ich auch nicht alleine im luftleeren Raum, sondern kann meine Kollegen im Kreis Mettmann kontaktieren. Wir treffen uns regelmäßig und tauschen uns über solche Themen aus. Und es gibt beim Landschaftsverband Brauweiler in Pulheim eine Archivberatungsstelle. Die kümmert sich auch um solche Entwicklungen und gibt Empfehlungen und Handreichungen heraus. Und dann gibt es noch den Verband der Archivarinnen und Archivare, die auch regelmäßig Archivtage abhalten.

Und was sind Ihre persönlichen Highlights der vergangen 16 Jahre? Oder eine Geschichte an die Sie sich besonders gerne erinnern und nie vergessen werden?

Letzte Woche hatte ich so einen Fall, dass ich für jemanden etwas gefunden habe, sogar ein bisschen mehr als er erhofft hatte…

*****Fortsetzung folgt*****

Ihr kennt das ja vielleicht schon vom letzten Mal oder als alter Soap-Hase. Spannung, Spannung, Spannung und dann Cliffhanger. Aber, um ehrlich zu sein, bis Folge 1348 schaffe ich es dann doch nicht. Aber mit dem letzten Teil dürft ihr schon noch rechnen. 😉 Also schaltet wieder ein, in diesem Theater!

Es grüßt euch herzlich eure

Angela Dauensteiner

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Ein Kommentar zu “Auf gute Nachbarschaft! Teil 2.2

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