Musiktipp: I AM SCHNEIDER – Der Tausendfüßler

Liebe Leser,

wir möchten euch gerne einen Musiktipp, -clip oder anderes musikalisches Gut vorstellen.

Wer von Euch ist schon mal in Düsseldorf gewesen? Und wart Ihr auch auf dem sogenannten Kö-Bogen?

Ich gehöre zu der Düsseldorfer Mehrheit, die bis 2013 diesen Ort mit dem Namen „Tausendfüßler“ verbunden. Und obwohl in dieser Rubrik eigentlich die Musik das Hauptthema immer gewesen ist, so möchte ich heute um Eure Aufmerksamkeit bitten und Euch eine kurze Geschichte erzählen, die mich persönlich getroffen hat. Aber keine Angst, es gibt heute auch ein Musikvideo, das herrlich zum Thema passt. Römer, Freunde, Blogkameraden, leiht mir Eure digitalen Ohren!

Am besten die eigenen!

Am besten die eigenen!

Der Begriff „Tausendfüßler“  bezeichnet die mittlerweile abgerissene Autohochstraße in Düsseldorf-Stadtmitte. Wie der Name schon anmuten lässt, war diese Hochstraße auf viele dünne Pfeiler gestützt, was ihr das Aussehen eines Tausendfüßlers verpasste.

So ähnlich, aber 500 Meter lang und mit ganz vielen Autos auf'm Rücken ;-)

So ähnlich, aber 500 Meter lang und mit ganz vielen Autos auf’m Rücken 😉

2013 wurde er während der Bauarbeiten um den Kö-Bogen abgerissen.

Wieso traf mich das zu der Zeit persönlich? Hm.

Dazu müssen wir zu den Anfängen dieser Geschichte zurückgreifen – zu der Zeit, als Prof. Friedrich Tamms 1961 von der Protestversammlung der „Vaterstädtischen Arbeitsgemeinschaft“ gegen den Straßenbauarbeiten rund um den Düsseldorfer Jan-Wellem-Platz und dem Hofgarten hörte. Prof. Tamms war verantwortlicher Architekt für diese Straßenbauarbeiten und zudem seit 1960 Baudezernent der Stadt Düsseldorf. Der Protest richtete sich hauptsächlich gegen sein Konzept, das den Bau einer Hochstraße im Bereich des Jan-Wellem-Platzes vorsah. Erreicht wurde letztlich, dass ein Teil des Hofgartens erhalten blieb, der sonst vom Bau beeinflusst gewesen wäre; sonst setzte sich der Bauvorhaben wie geplant durch.

So entstand der Tausendfüßler. Im Protest errichtet und im Protest abgerissen, und doch gab es viele Menschen, die seinetwegen lächelten. Wenn er nicht nur eine Konstruktion, sondern auch ein fühlendes Lebewesen gewesen wäre, wäre seine Existenz von Glück und Trauer erfüllt.

Ich habe den Tausendfüßler im Düsseldorfer Alltag kennengelernt, 2012, als ich meine Ausbildung zum FAMI gerade frisch begonnen hatte. Ich fand’s immer herrlich, eine riesige Konstruktion in der Stadt nach einem kleinen Insekt zu benennen. Kennt Ihr Städte, in denen das noch gemacht wird – gibt’s vielleicht in Freiburg eine „Fransenmotte“ oder in München ein „Marienkäfer“?

So ähnlich, aber mit Fahrradweg?

So ähnlich, aber mit Fahrradweg?

 

Neben dem Spaß am Namen hatte ich aber auch am Befahren des Tausendfüßlers Gefallen gefunden. Und weil es während der offiziellen Diskussionen 2013 überhaupt nicht zur Rede kam, den Tausendfüßler wegen der Aussicht, wegen des Fahrgefühls oder wegen seines Schatten erhalten zu lassen (zumindest, wenn meine Erinnerung nicht trügt) hat ein wundervoller Künstler namens I AM SCHNEIDER genau wegen solcher Gefühle ein Lied vertont. Es heißt „Der Tausendfüßler“.

Viel Spaß beim Hören und einen schönen Tag!

von Philip Orr

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