Studieren oder Arbeiten? Beides!

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch etwas aus meiner eigenen Erfahrung erzählen und gleichzeitig möchte ich den ein oder anderen einen kleinen Einblick in das Berufsleben eines Vollzeitstudenten geben. Es wird also jetzt etwas persönlich!

Ich befinde mich zurzeit im vierten Semester des Studiengangs Bibliothekswissenschaften an der Technischen Hochschule Köln. Und vor Ihr fragt: Ja, das kann man studieren 😀

So fühlt man sich am Anfang des Semesters… (CC0 Public Domain)

In der Regel muss man sogar mindestens einen Bachelor-Abschluss der Bibliothekswissenschaften vorweisen, um in Deutschland Bibliothekar zu werden. Es handelt sich hierbei um ein Vollzeitstudium. Der zeitliche Umfang variiert von Semester zu Semester, oft sind es aber um die 20 Stunden pro Woche. Lernzeit und Zeit zur Bearbeitung der Gruppenprojekte, Hausarbeiten, Referate und so weiter sind da noch nicht mit einberechnet.

Gleichzeitig bin ich Teilzeitangestellter der Stadtbücherei Erkrath, das heißt, 19,5 Stunden die Woche bin ich im Bürgerhaus oder im Kaiserhof für Euch da. Hinzu kommen regelmäßige Samstagsdienste und Veranstaltungen wie unsere alljährliche Sommerleseclub-Abschlussparty.

Wenn ich das meinen Bekannten oder meinen Kommilitonen erzähle, werde ich oft gefragt, wie ich das denn alles schaffe. Es hört sich erst einmal nach sehr viel Zeitaufwand an, aber es ist bei Weitem nicht so schlimm, wie Ihr Euch das vielleicht vorstellt. Man muss nicht sofort seine Freunde und seine Hobbys vernachlässigen (zumindest, nicht vollständig). Und wie genau das klappt, möchte ich Euch vorstellen. Vielleicht überlegt Ihr ja auch, wie Ihr es schaffen könnt mit einer ähnlichen Situation klarzukommen.

Der wichtigste Punkt ist die Organisation. Am Anfang des jeweiligen Semesters schaue ich im Vorlesungsverzeichnis nach, an welchen Tagen ich welche Veranstaltungen habe. Dann suche ich mir die Sondertermine raus, wie beispielsweise die Projektwoche, bei der ich jeden Tag vor Ort in der Fakultät sein muss. Und wenn alle Stricke reißen und ich keine freie Tage unter der Woche habe, schaue ich nach, welche Veranstaltungen ich mit Kommilitonen tauschen kann.

Zu 90% bin ich hierbei auf Verständnis getroffen, es gibt natürlich Veranstaltungen, die von vornherein auf eine bestimmte Gruppengröße abgestimmt sind, wo es dann nicht klappt. Dann verpasse ich halt die ein oder andere Vorlesung. Das ist zwar schon schlimm, aber nicht so schlimm wie Ihr vielleicht denkt, denn die meisten Prüfungen können jedes Semester wiederholt werden und man kann in vielen Veranstaltungen sämtliche Vorlesungsinhalte von Zuhause aus nachbereiten.

Was dann meistens so aussieht. (CC0 – Public Domain)

 

Und noch wichtiger: sich Zuhause Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltung zu nehmen. Kaffee aufsetzen, die Zimmertür schließen und sich mindestens eine Stunde Zeit nehmen. Wenn Ihr Zuhause keine Ruhe findet – Freunde, Mitbewohner, Familie, etc. – empfiehlt es sich, in die nächstgelegene Bibliothek zu gehen. Beispielsweise die Stadtbücherei Erkrath. 😉

Ich habe mir geräuschdämpfende Kopfhörer zugelegt und spare mir damit den Weg, gehe aber auch mal zwischendurch in den Park oder in die Bib, wenn es mir doch Zuhause zu laut wird.

Der letzte Punkt, auf den ich eingehen möchte, ist ein gutes Verhältnis zu seinen Kommilitonen zu haben. Ich nehme mir, obwohl ich lieber meine eigene Freizeit genießen würde, oft Zeit um Kommilitonen Sachverhalte aus der Vorlesung zu erklären. Denn ich bin nicht der einzige, der in einer solchen „Sondersituation“ steckt! Außerdem, das merke ich immer wieder, versteht man eine Sache oft viel besser, wenn man es jemandem erklären muss.

Dennoch muss ich ausdrücklich betonen, dass diese Situation keineswegs optimal ist.

Die Gefahr besteht, dass ich etwas verpasse. Wenn jemand zu einem unvorteilhaften Termin krank wird und ich einspringen muss, verpasse ich vielleicht sogar eine Prüfung. Die muss dann nachgeholt werden. Meine Freunde und teilweise meine Kommilitonen haben deutlich mehr Freizeit als ich. Aber es gibt große Vorteile, die da wären:

  1. Ich arbeite schon in einer Bibliothek und kann mein im Berufsleben erworbenes Wissen in die Veranstaltung reinbringen. Das sollte man nicht unterschätzen – manche Klausuren sind deutlich einfacher zu schaffen, wenn man schon weiß worum es geht.
  2. Ich kann mein Wissen aus dem Studium im Berufsleben einbringen. Durch das Studium interessiere ich mich für Themen, die mir eines Tages sehr hilfreich sein könnten. Zum Beispiel hätte ich als „einfacher“ Fachangestellter nie gewusst, worauf man beim Neubau einer Bibliothek achten muss oder was im IFLA-Ethikkodex steht.
  3. Es wird nie langweilig. Ich bin richtig glücklich darüber, viele coole Menschen durch das Studium kennengelernt zu haben und die verrücktesten Sachen gemacht zu haben. Andererseits bin ich sehr stolz darauf, Teil des Erkrather Teams zu sein. Dickes Lob an dieser Stelle an meine Kolleg/innen für Eure stete Unterstützung! Der Lob dafür geht übrigens auch an Euch, liebe Erkrather Leserschaft, für Euer freundliches, weltoffenes und verständnisvolles Verhalten – das darf man besonders in der Bibliothekswelt nicht unterschätzen! 🙂

Zum Schluss noch ein Paar Worte für diejenigen unter Euch, die in einer ähnlichen Situation sind oder es vorhaben:

Es ist sehr wichtig, dass Ihr Euch Zeit für Euch selber nehmt und niemand Euch einreden kann, wie Ihr Eure eigene, sowieso schon knappe Zeit verwendet. Und es ist keine Schande, aufzuhören, wenn es nicht weiter geht.

Das Glück verlässt Euch nicht, nur weil Ihr mal ein Studium abgebrochen habt! (CC0 – Public Domain)

Viel Spaß beim Lesen und alles Gute für Bildung und Beruf!

von Philip Orr

 

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