GÜNTER KUNERT – Verlorene Söhne und ein neuer alter Roman

Liebe Leserinnen und Leser,

ab und an wurden wir schon lyrisch auf unserem Blog, was Euch gut gefallen hat, wenn die Statistik nicht lügt. 😉

Deshalb möchten wir Euch von Zeit zu Zeit mit etwas Lyrik den Tag verschönern. Eine gute Gelegenheit, um innezuhalten und auf ganz andere Gedanken zu kommen. Wenn Ihr Wünsche habt, schreibt es in die Kommentare. Wir schauen dann gerne in unserem Lyrik-Bestand oder befragen das Netz.

Ich habe ein Gedicht von Günter Kunert ausgewählt, der am 6. März 90 Jahre alt wurde.

Verloren Söhne

Wir wandten uns um, um zurückzusehn
und sind nicht dabei erstarrt.
Wir haben geahnt: Das wird untergehn:
Ein Sodom besonderer Art.

Ein Abschied auf immer: Denn dessen bin
ich mir wie des Lebens gewiß.
Vergangen die Angst. Schau klaglos hin
auf die brennende Finsternis.

Es gibt nichts zu sagen. Kein einziges Wort.
Bloß: Die Ferne weitet sich aus.
Später vergeht auch der Name dem Ort
und heißt nicht länger: Zuhaus.

Wer lange in einer Legende gelebt
die mit der Zeit doch zerfällt,
dem bleibt, wonach er niemals gestrebt:
Nur Asche von seiner Welt.

von Günter Kunert
(Quelle: Der Neue Conrady: Das große deutsche Gedichtbuch von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2000, S. 945)

Mit Freude habe ich diesen Video-Beitrag gefunden. Seit vielen Jahren begleiten mich die Gedichte von Günter Kunert, aber ich hatte ihn noch nie gesehen und gehört. Hier stellt sich der Schriftsteller kurz vor:

Wer gerne mal einen Roman von Günter Kunert lesen möchte, darf sich freuen. Vor ein paar Tagen ist ein neuer alter Roman von ihm erschienen, ISBN 9783835334403:

Die zweite Frau

Ein Roman, geschrieben vor 45 Jahren – in der DDR »absolut undruckbar«, wusste Kunert und versteckte ihn im Archiv. Nun wiedergefunden, wird er endlich veröffentlicht.

In einer Truhe fand Günter Kunert unlängst ein Manuskript, das er vor fast fünfundvierzig Jahren geschrieben hat – einen Roman, so frech, brisant und »politisch unmöglich«, dass Kunert, der damals noch in der DDR lebte, ihn gar nicht erst einem Verlag vorlegte. »Absolut undruckbar«, wusste er und vergrub das Manuskript so tief in seinem Archiv, dass er selbst es vollkommen vergaß und erst jetzt durch Zufall wiederfand.
Kunert ist berühmt für seine skeptischen Gedichte, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen, für seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Notate, Hörspiele, Filme; als Romanautor kennt man ihn eher nicht. Und hier ist nun ein Roman, funkelnd und frisch, geschrieben zur Hälfte des Lebens: Der männliche Protagonist sucht nach einem Geschenk zum vierzigsten Geburtstag seiner Frau; die Auswahl in den Geschäften ist ebenso entmutigend wie seine Einfallslosigkeit, schließlich tauscht er Mark der DDR in Westgeld, um im Intershop einzukaufen, und macht dort unbedachte Bemerkungen. So nimmt eine Tragikomödie um Montaigne, Missverständnisse und Stasi-Tumbheit ihren Lauf. (Verlagstext)

Viele Grüße
Eure Beate Sleegers

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http://www.planetlyrik.de/gunter-kunert-gedichte/2012/11/

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Kunert

https://www.deutschlandfunkkultur.de/in-ddr-undruckbar-guenter-kunert-findet-roman.265.de.html?drn:news_id=950656

https://www.rbb-online.de/rbbkultur/dasmagazin/archiv/20190216_1830/guenter-kunert-die-zweite-frau.html

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Über b.sleegers

Arbeitet und bloggt für die Stadtbücherei Erkrath.

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