Code Literacy in der Stadtbücherei Erkrath: Wo Medienkompetenzrahmen und Makerspace zusammentreffen

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich euch mal wieder einen Backstage-Einblick in unser Wirken als Bibliotheksmenschen geben:

Während die Vermittlung von Lesekompetenz und die enge Kooperation mit Schulen auf diesem Feld unbestritten in „unser Kerngeschäft“ gehört, werden wir manchmal gefragt, warum die Bücherei jetzt auch noch Robotik-Material für Schulen und Kitas zur Ausleihe anbietet.

Bezogen auf Literacy (das umfasst die Kompetenzen rund um unsere Schrift- und Erzählkultur) wird die Stadtbücherei von Schulen wie selbstverständlich als Dienstleisterin und Kooperationspartnerin wahrgenommen.

Neben der klassischen Literacy wird zunehmend aber auch die Code Literacy als Basiskompetenz im Bildungsauftrag eingefordert (zu finden ist diese Forderung z.B. im Medienkompetenzrahmen NRW in einem neu entwickelten Modul „Problemlösen und Modellieren“.) Mit Code Literacy ist das Basisverständnis algorithmischer Abläufe gemeint. Code Literacy ist sozusagen für ein Leben in der digitalisierten Welt genauso notwendig wie die Alphabetisierung für ein Leben in der schriftgeprägten Welt. Der Erwerb dieser digitalen Schlüsselkompetenz hat viel mit eigenem Ausprobieren zu tun. Und da sind wir dann direkt bei einem Thema, welches uns als Büchereien derzeit bundesweit ebenfalls sehr beschäftigt: Die Stadtbücherei wird zunehmend zum Ort des niedrigschwelligen Ausprobierens neuer Technologien. Die digitale Transformation der Gesellschaft kann nur dann gelingen, wenn alle dabei mitgenommen werden. Stadtbüchereien waren schon immer ein Ort gesellschaftlicher Chancengleichheit in Bezug auf Zugang zu Bildung und Literatur.  Nun wird dieser Anspruch zunehmend ausgeweitet auf den chancengleichen Zugang zu digitalen Werkzeugen. Stadtbüchereien wollen und sollen den Menschen ihrer Kommune einen Makerspace bieten, einen Ort also, wo sie Dinge ausprobieren können, unabhängig von eigenen finanziellen Möglichkeiten.

Wir möchten uns auch in Erkrath dieser Erweiterung des Büchereiverständnisses nicht verschließen, wir möchten es vielmehr aktiv leben. Deshalb haben wir damit begonnen, Codingwerkzeuge für verschiedene Altersgruppen in unseren Ausleihbestand aufzunehmen, zum Teil haben wir sie euch ja schon vorgestellt. Wir beginnen also zunächst mal mit einem „mobilen Makerspace“.

Dieser Weg stellt für uns auch eine Herausforderung dar: Angefangen bei der Marktsichtung über Fragen der ausleihtechnischen Bearbeitung bis hin zur Erschließung (Katalogisierung) merken wir ständig, dass wir hier Neuland begehen. Für die Ausleihverwaltung von Büchern, Cds, Spielen usw gibt es Regelwerke, Standards und Ausbildungsinhalte. Bei unserer „Bib der Dinge“, wie wir dieses Bestandsegment nennen, müssen wir uns selbst Standards erarbeiten. Zum Glück stehen wir dabei nicht alleine, auch andere Büchereien gehen diesen Weg und sind zum Teil schon ein Stück weiter als wir. Auf diesem Wege mal ein Dankeschön an die Stadtbücherei Ibbenbühren, die uns hier mit wertvollen Starter-Infos versorgt hat!

In der Anwendung unserer neuen Robotikmaterialien stehen wir vor Ort zum Glück auch nicht allein. Einige Schulen fangen langsam schon an, den Auftrag des Medienkompetenzrahmens im Alltag umzusetzen. Viele Schulen in Erkrath wussten aber vielleicht bisher noch nicht, dass die Stadtbücherei als Bildungspartner auch für die Code Literacy fungieren kann und möchte. Deshalb haben wir unser Angebot auf der letzten Konferenz der Erkrather Schulleitungen mal vorgestellt. Nun sind wir gespannt, wie unser „mobiler Makerspace“ mit den MINT-Materialien zum Coding angenommen werden wird. Es stellte sich aber im Dialog mit den Schulleitungen auch schnell heraus, dass nicht nur die Ausleihmöglichkeit der Materialien, sondern auch die Einweisung in den Gebrauch derselben von den Lehrkräften gewünscht wird.

Unser Bestreben für 2020 wird also sein, vor Ort in der Bücherei Coding-Fachtage auszurichten, wo dann alle Materialien unter fachkundiger Anleitung von ausprobiert werden können. Ihr seht also, dieses Projekt wird uns noch eine ganze Weile weiter beschäftigen, aber das macht unseren Beruf ja gerade so interessant!  🙂

Anne Heimansberg-Schmidt

 

 

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