Damals und heute: mein Praktikum im Stadtarchiv Düsseldorf

dav

Als Auszubildender des Berufes FAMI muss man sich sein Praxis-Wissen über die anderen Fachbereiche in Pflichtpraktika aneignen. Vor einigen Monaten hatte ich ja schon über mein Praktikum in der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen berichtet. Vergangenen Monat war das Praktikum im Stadtarchiv Düsseldorf an der Reihe! Ganze vier Wochen habe ich dort verbracht und wurde in die verschiedenen Aufgabenbereiche des Archivs eingeführt.

Stadtarchive haben die Aufgabe, alles über ihre zugehörige Stadt zu sammeln. Das erstreckt sich von Unterlagen, die im täglichen Geschäftsgang der verschiedenen Ämter entstehen, als auch Personalakten, Fotos über Düsseldorf und von Düsseldorfer Persönlichkeiten, Prospekte, Zeitungen, alte Pläne und Landkarten und vieles mehr. Das Stadtarchiv Düsseldorf hat eine große Fotosammlung, in der ich die meiste Zeit meines Praktikums verbracht habe.
Nach einem herzlichen Empfang wurde ich auch direkt mit meiner ersten Aufgabe betreut – ein paar Düsseldorfer Schüler haben für den Jahrestag ihrer Schule ein Projekt über ihren Gründer gestartet und fragten im Archiv nach Informationen. Im Verzeichnis wurde also nach dem Namen des Gründers gesucht und ich war damit beauftragt, die gefundenen Artikel aus Zeitungen und Jahrbüchern herauszusuchen und für die Benutzung einzuscannen.

Eine der größeren Aufgaben war es, alte Akten um 1936 zu paginieren, das heißt, mit einer Seitenzahl für das zukünftige Einscannen zu versehen. Auch in Archiven ist die Digitalisierung angekommen, und sowohl zum Schonen des Papiers von sehr alten Akten als auch zum einfacheren Abrufen werden alle Akten und Fotos nach und nach eingescannt und als Datei abgespeichert. Früher hat man dazu sogenannte Microfiche erstellt – grob gesagt kleine Folien, auf denen z.B. Zeitungen oder Urkunden so klein abgedruckt waren, dass man sie mit bloßem Auge nicht mehr lesen konnte, aber durch ein spezielles Gerät vergrößern und auch kopieren konnte.
Um Archivalien möglichst lange erhalten zu können, müssen sie vor Säure (z.B. aus Pappkartons), Licht und Feuchtigkeit geschützt werden. Im Magazin des Archivs lagern deshalb alle Akten in extra säurefreien Kartons. Luftfeuchtigkeit und Temperatur werden auch möglichst konstant gehalten.

Wie bereits erwähnt war ich die meiste Zeit im Fotoarchiv. Alle Fotos sind ebenfalls auf säurefreiem Karton aufgeklebt und mit einer Nummer, sowie einer kurzen Zusammenfassung darüber, was zu sehen ist, einem Titel und wenn bekannt dem Fotografen auf der Rückseite versehen. Gelagert werden sie in großen Schränken mit Schubladen, wie man unten auf dem Foto sehen kann. Eine meiner Aufgaben war es, vom Scannen/Kopieren zurückgebrachte Fotos wieder an ihre Stelle in den Schubladen zu sortieren. Neu erhaltene und fertig bearbeitete Fotosammlungen einzusortieren fiel auch in meinen Aufgabenbereich.

dav
Die Fotos werden thematisch geordnet. Hier ein altes Foto von den Feuerwerkskörpern des japanischen Feuerwerks am alljährlichen Japan-Tag.

In der dritten Woche durfte ich sogar mit zum Kulturamt, um Akten zu sichten, die das Amt abgeben wollte. Da der Platz in Archiven natürlich begrenzt ist, kann man leider nicht alle Akten aufnehmen, weswegen die Akten erst gesichtet und bewertet werden. Dann wird eine Liste erstellt, welche man als wichtig erachtet und ins Archiv aufnimmt. Auch ein kleiner Ausflug in die Genealogie stand mit im Programm – hier wurde eine Anfrage einer Düsseldorferin, die mehr über ihren Großvater und dessen Geschwister erfahren wollte, bearbeitet.

Während meiner Arbeiten im Fotoarchiv durfte ich natürlich auch in den vielen Schubladen schmökern und mir die teilweise sehr alten Fotos anschauen. Sehr interessant war zu sehen, wie sich mir bekannte Orte und Gebäude in Düsseldorf im Laufe der Zeit verändert haben – oder eben gar nicht. 😛 ein Großteil der Fotos sind Geschenke bzw. aus Nachlässen übernommen. So bekam das Archiv beispielsweise eine große Ladung alte Dias, oder einen Teil des Fotoarchivs der WZ mit Persönlichkeiten, die ich für die Weiterbearbeitung und Digitalisierung von Zetteln etc. befreit habe. So habe ich z.B. schön alte Fotos von Campino von den Toten Hosen oder von Hans Bacher, dem Zeichner von „Alfred Jodokus Quak“ gesehen! Hach, Kindheitserinnerungen.

dav
Auch Dias werden in säurefreies Papier eingeschlagen und in säurefreien Kartons aufbewahrt

Abschließend muss ich sagen, dass die Arbeit im Archiv bei weitem nicht so trocken ist, wie viele es erwarten würden, und es hat mir dort sehr gefallen. Gerade im Fotoarchiv gibt es sehr, sehr viel zu sehen, und auch die alten Zeitungen z.B. aus der Kriegszeit sind interessant. Das Archiv beteiligt sich auch viel an Projekten wie Bildbände über Düsseldorf oder die diesjährige Advent-Aktion mit den Düsseldorfer Stadtbüchereien, bei der Keks-Ausstecher in Form von vier bekannten Düsseldorfer Bauwerken erstellt wurden, die man sich in der Stadtbücherei dann am 3D-Drucker ausdrucken kann! Die Informationen über das Bauwerk und eins von vier Rezepten gab es dann als Karte zum mitnehmen. Wie ich finde eine sehr schöne Idee! Es gab im Archiv zwar nicht so viel Kundenkontakt wie hier in der Stadtbücherei Erkrath, trotzdem gab es immer etwas zu tun.

Ich hoffe, euch hat mein Bericht gefallen! Vielen Dank für’s Lesen 😉

Eure
Stefanie Schmitz

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.