„Du sollst dich erinnern“ – Medientipps zu 30 Jahre Deutsche Einheit

Liebe Leserinnen und Leser,

„Heute ist ein Feiertag heute ist ein freier Tag“ sang Clown Ferdinand damals vor 50 Jahren auf meiner DDR-Kinder-Schallplatte. Das der freie Tag heute anlässlich 30 Jahre Deutsche Einheit gefeiert wird, hätte den Clown sicher staunen lassen. 😉

Ich habe heute ein paar Medientipps für Euch herausgepickt, welche die Zeit vor und nach der Wende umfassen, die mich  sehr beeindruckt und an meinem Blickwinkel auf unsere Zeitgeschichte geruckelt haben.

Beginnen möchte ich mit einem

Film-Tipp.

Die Dokumentation „Wir Ostdeutsche – 30 Jahre im vereinten Land“ lief vor ein paar Tagen im Fernsehen und ich war angenehm überrascht, wie unaufgeregt und respektvoll die Erfahrungen der Menschen aus Ostdeutschland im Film festgehalten wurden.

Der Film begibt sich auf eine doppelte Reise: durch die drei Jahrzehnte im vereinten Land und durch den Osten der Gegenwart, zwischen Rostock und Chemnitz, zwischen Tangerhütte und Eberswalde, zwischen Ribnitz-Damgarten und Bischofferode. Ostdeutsche erzählen von ihrem Leben im wiedervereinten Deutschland, von ihren Erwartungen und Enttäuschungen, von ihren Hoffnungen und Chancen. (Quelle, abgerufen 02.10.2020)

Noch für ein Jahr in der Mediathek abrufbar.


Erst habe ich mich etwas gesperrt gegen den Roman. Ich war mir nicht sicher, ob ich schon wieder etwas von „damals“ lesen wollte. Aber die Autorin Andrea van Bebber erzählt so authentisch aus dem Leben der jungen Paula in den siebziger Jahren in Eisenach, dass ich hängengeblieben bin. Ich muss zugeben, dass ich das Buch noch nicht zu Ende gelesen habe und sehr gespannt bin, wie sich die Erzählstränge von Paula und Jonas kreuzen werden, der aus den 70er Jahren und der aus 2015. Ich kannte die Autorin bisher nicht und kann gar nicht glauben, dass Andrea van Bebber nicht in der DDR aufgewachsen ist.  😉

Buch-Tipp.

Paula, eine junge Frau, die sich, zunächst aus einer normalen pubertieren-den Haltung heraus, gegen den DDR-Staat auflehnt, wird am Ende aus nichtigen Gründen zu einer Haftstrafe verurteilt. Ihre Geschichte gibt nicht nur einen Einblick in den normalen DDR-Alltag, sondern auch in extreme, dem Widerstand gegen den Staat geschuldete Erfahrungen bis hin zu den unmenschlichen Zuständen im Frauengefängnis Hoheneck.

Ein zweiter Erzählstrang spielt in der Gegenwart: Jonas, der inzwischen erwachsene Sohn von Paula, arbeitet als Altenpfleger in einem Heim.

Die Bekanntschaft mit einer neuen Heimbewohnerin fesselt zunehmend sein Interesse.

Die wachsende Freundschaft zwischen den beiden führt zu Enthüllungen, die nicht nur sein Leben von Grund auf verändern, sondern auch seiner Mutter eine schwerwiegende Korrektur ihrer Biografie abverlangen. (Quelle, abgerufen 02.10.2020)

 

„Perlen vor die Säue“ von Andrea van Bebber. 2019, ISBN 978-3-9820327-0-2

Bei uns in der Stadtbücherei Erkrath entleihbar.


Auch die Story des nächsten Romans folgt zwei Zeitlinien. „Was uns erinnern lässt“ von Kati Naumann war ein MUSS für mich. Denn endlich wird in einem Roman das Leben der Menschen im Sperrgebiet der DDR thematisiert, lebte doch meine Oma auch dort, außerdem spielt die Handlung im Thüringer Wald, meiner Heimat. Eine Leserin unserer Bücherei wünschte sich das Buch, wir kauften es und dann konnte auch ich es lesen. 🙂 Natürlich musste ich den Roman direkt in die Heimat verschenken, wählte aber das Hörbuch und muss sagen, dass mir das Hören des Buches sogar noch besser gefallen hat. Ein Dank an die Sprecherin Ilka Teichmüller.

Deshalb mein

Hör-Buchtipp.

1977: Das Zuhause der vierzehnjährigen Christine ist das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh am Rennsteig im Thüringer Wald. Seit der Teilung Deutschlands liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone direkt an der Grenze. Schon lange findet kein Wanderer mehr den Weg dorthin. Ohne Passierschein darf niemand das Waldstück betreten, irgendwann fahren weder Postauto noch Krankenwagen mehr dort hinauf. Fast scheint es, als habe die DDR das Hotel und seine Bewohner vergessen. 2017: Die junge Milla findet abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen überwucherten Keller und stößt auf die Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser besondere Ort lässt sie nicht los, sie spürt Christine auf, um mehr zu erfahren. Die Begegnung verändert beide Frauen: Während die eine lernt, Erinnerungen anzunehmen, findet die andere Trost im Loslassen.

 

„Was uns erinnern lässt“ von Kati Naumann. 2019, 9783959672474

Bei uns in der Stadtbücherei Erkrath entleihbar.


Erhellende Einblicke gewann ich durch das Buch von Ines Geipel „Umkämpfte Zone“ in die Zeit der DDR Gründung, insbesondere durch die Ausführung zum Buchenwald-Mythos. Mein

Sachbuch-Tipp.

Seit 2015 haben sich die politischen Koordinaten unseres Landes stark verändert – insbesondere im Osten Deutschlands. Was hat die breite Zustimmung zu Pegida, AfD und rechtsextremem Gedankengut möglich gemacht?

Ines Geipel folgt den politischen Mythenbildungen des neu gegründeten DDR-Staates, seinen Schweigegeboten, Lügen und seinem Angstsystem, das alles ideologisch Unpassende harsch attackierte. Seriöse Vergangenheitsbewältigung konnte unter diesen Umständen nicht stattfinden. Vielmehr wurde eine gezielte Vergessenspolitik wirksam, die sich auch in den Familien spiegelte – paradigmatisch sichtbar in der Familiengeschichte der Autorin.

Gemeinsam mit ihrem Bruder, den sie in seinen letzten Lebenswochen begleitete, steigt Ines Geipel in die „Krypta der Familie“ hinab. Verdrängtes und Verleugnetes in der Familie korrespondiert mit dem kollektiven Gedächtnisverlust. Die Spuren führen zu unserer nationalen Krise in Deutschland. (Quelle, abgerufen 02.10.2020)

Bei uns in der Stadtbücherei entleihbar.


Auf das folgende Buch bin ich sehr gespannt, leider lag es mir zum Tag der Deutschen Einheit noch nicht vor. Manche Bestellwege dauern manchmal etwa länger . 😉

Freya Klier gehört für mich zu DEN Wegbereitern der friedlichen Revolution, sie war einer der mutigen DDR-Bürgerrechtlerinnen, die den Stein der Veränderungen ins Rollen gebracht haben.

Auf Freya Kliers Wort lege ich großen Wert, deshalb freue ich mich sehr auf ihr neues Buch „Wir sind ein Volk! – Oder? : die Deutschen und die deutsche Einheit„.
Also last, but not least, noch ein

Sachbuch-Tipp.

Die Mauer war gefallen und ein neues, geeintes Deutschland entstand, der Jubel war überwältigend. Endlich Freiheit, Wohlstand und Demokratie für alle Deutschen! Doch kurz nach der Wende dann der Schock: Arbeitslosigkeit, Abwanderung in den Westen und fehlende Perspektiven holten die Menschen ein. Deutschland vereinigt, aber doch gespalten – wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich. Welche Rolle spielte die Treuhand beim Niedergang der ostdeutschen Wirtschaft? Woher kamen plötzlich die vielen Rechtsradikalen im Osten? Und wie entwickelte sich die Vereinigung von Ost und West? Zeitzeugen erinnern sich und ziehen Bilanz. Freya Klier versammelt Stimmen aus Ost und West, mit Beiträgen u.a. von Reiner Kunze, Peter Tauber, Wolfgang Thierse und Norbert Lammert. (Quelle, abgerufen am 02.10.2020)

Bei uns in der Stadtbücherei Erkrath (demnächst) entleihbar.

Auf der Homepage von Freya Klier steht ihr 11. Gebot: „Du sollst dich erinnern“.  Dieses Motto übernehme ich gerne als Überschrift für diesen Blogbeitrag zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Ich hoffe, für Euch ist der ein oder andere Tipp dabei.
Viel Spaß beim Lesen, Sehen oder Hören und habt einen schönen freien Tag!

Eure Beate Sleegers

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