Steampunk in der Literatur – Ein Interview mit Jasmin Jülicher

Lieber Leserinnen und Leser,

(c) Jochen Kemmer

ich möchte euch heute die Steampunk-Autorin Jasmin Jülicher vorstellen. Die 31-Jährige aus Straelen sagt über sich selbst, dass sie zufällig Autorin geworden ist. Bisher hat sie fünf Bücher veröffentlicht, darunter eine dreibändige Krimi-Reihe sowie ein Jugendroman. Das Buch „Castle Rose“ kann man bei uns in der Stadtbücherei ausleihen. Jasmin hat sich bereit erklärt, uns das Genre Steampunk in der Literatur ein wenig vorzustellen und uns von ihrer Arbeit als Autorin zu berichten.

Hallo Jasmin, wie bist du zum Steampunk als Roman-Genre gekommen?

Vor einigen Jahren habe ich das Buch „Das mechanische Herz“ von Dru Pagliassotti gelesen und war begeistert von dieser Art von Genre, zum einen die Erfindungen und diese abenteuerliche Atmosphäre… Als ich dann in einem Krimi-Seminar war und keinen Gegenwartskrimi schreiben wollte, kam die Idee, einen Krimi-Steampunk-Genre-Mix zu schreiben.

Welche Steampunk-Elemente /- Motive verwendest du in deinen Büchern?

In meiner „Der Hüter“-Reihe spielen zum Beispiel Golems eine tragende Rolle, menschenähnliche Arbeitsroboter, außerdem geht es dort viel um Erfindungen und Naturwissenschaften. In jedem Band besucht man eine andere Stadt, die auf andere Weise steampunkig ist. In den anderen Büchern kommt häufiger Äther als Energiequelle vor.

Du sagst von dir selbst, du baust Welten… Beschreib uns deine Welt einmal.

In meiner „Der Hüter“-Reihe ist die Erdoberfläche so gefährlich, dass die Menschen sich in einzelne Städte zurückgezogen haben, die möglichst verborgen liegen. Zum Beispiel eine Stadt unter dem Meer, im Inneren eines Vulkankraters, in den altägyptischen Pyramiden, auf einer Insel … Jede dieser Städte funktioniert auf ihre ganze eigene Weise und beherbergt eine autonome Gemeinschaft.

In „Castle Rose“ hat die Entdeckung des Äthers nicht nur dafür gesorgt, dass immer mehr Fabriken gebaut und betrieben werden konnten, er hat auch dafür gesorgt, dass das Leben sehr gefährlich geworden ist: Kommt man einmal in Berührung mit Äther, schickt er jeden in einen ewigen Schlaf.

Würdest du deine eigene Welt einmal gern selbst besuchen?

Ja, auf jeden Fall. Ich empfinde jede meiner Welten als spannend. Gerade die Stadt Biota aus „Stadt der Tiefe“ würde ich gerne mal besuchen, ich habe eine kleine Schwäche für Städte unter dem Meer.

Bei uns kann man dein Buch „Castle Rose“ ausleihen. Darin schlafen Menschen seit mehr als einem Jahrzehnt in einem mit Rosenranken überwucherten Schloss, weil sie den Äther berührt haben. Das Motiv stammt offensichtlich aus dem Märchen Dornröschen. Wie passt das in deine Welt?

„Castle Rose“ ist aus der Überlegung entstanden, inwiefern es möglich wäre, die alten Märchen ins Steampunk-Genre zu adaptieren. In meiner Version ist es der als Energiequelle genutzte Äther, der die Menschen in den Schlaf fallen lässt, wenn man ihn berührt.
An den alten Märchen hat es mich auch immer schon gestört, dass die weiblichen Charaktere üblicherweise passiv bleiben und auf einen Prinzen warten, der sie rettet. In meinen Welten sind Frauen den Männern meist gleichgestellt. Daher war es für mich ein interessanter Versuch, wie eine Neuinterpretation von Dornröschen aussehen könnte, in der eine Diebin den schlafenden Prinzen aufweckt.

In der Geschichte „Castle Rose“ hat deine Hauptprotagonisten ein mechanisches Gürteltier als Haustier. Wie kommt man auf so eine Idee? Und: Hättest du gern selbst so eins?

Die Idee hatte ich eigentlich schon für meine „Der Hüter“-Reihe, allerdings passte es laut meinem Lektorat nicht zum Krimi-Genre. Aber da ich die Idee eines mechanischen Gürteltiers geliebt habe, habe ich sie in „Castle Rose“ wieder aufgegriffen. Und ja, gäbe es ein mechanisches Gürteltier als Haustier, könnte ich vermutlich nicht widerstehen.

Steampunk hat viel mit Naturwissenschaft und Ingenieurskunst zu tun. Bist du Naturwissenschaftlerin oder Ingenieurin?

Ich habe einen Masterabschluss in Biological Sciences mit dem Schwerpunkt auf chemische aquatische Ökologie.

Bezeichnest du dich selbst als Steampunkerin und besuchst entsprechend kostümiert solche Events? „Bastelst“ du selbst etwas und wenn ja, was?

Nein, bisher nicht. Ich spiele allerdings mit dem Gedanken an eine entsprechende Gewandung. Dazu finde ich alles toll, was mit Steampunk-Waffen zu tun hat. Ich habe zum Beispiel mal Spielzeug-Waffen dementsprechend bemalt, mehr habe ich mich noch nicht getraut.

Du als Autorin…  Ist das Schreiben eher ein Hobby, ein Nebenberuf oder bist du bei einem Verlag unter Vertrag?

Es ist mein Nebenberuf. Bei einem Verlag bin ich nicht unter Vertrag, ich bin Selfpublisherin und veröffentliche meine Bücher in Eigenregie.

Ist es mit einem etwas speziellen Genre wie Steampunk schwer einen Verlag zu finden? Oder hast du dich aus anderen Gründen entschieden, deine Bücher im Selbstverlag zu veröffentlichen?

Ja, das Genre macht es deutlich schwieriger, einen Verlag zu finden, weil es eine Nische ist. Ich habe auch schon gehört, wenn ich meine Bücher in ein anderes Setting setzen würde, dann würden sie sich vermarkten lassen. Ich habe mich für den Selbstverlag entschieden, weil ich meine Romane nach Enttäuschungen mit Kleinverlagen erst einmal so herausbringen wollte, wie sie mir gefallen.

Die Buchcover von deinen Büchern sind wunderbar gestaltet. Machst du das selbst oder lässt du das machen? Hast du eine Art „Mitspracherecht“ bei der Gestaltung?

Die Cover lasse ich gestalten, da ich, was Visuelles angeht, sehr unkreativ bin, da vertraue ich auf die Arbeit von Profis. Für die „Hüter-Reihe“ und „Castle Rose“ hat Hannah Böving die Cover gestaltet, für „Ferias“ Alexander Kopainski. Meist bringen diese auch Vorschläge mit, wie man das Cover gestalten könnte, abgesehen von dem Cover von „Castle Rose“ beruhen alle meine Cover auf diesen Vorschlägen. Bei der Gestaltung der Buchcover habe ich nicht nur ein Mitspracherecht, sondern die volle Entscheidungsmacht, da kein Verlag entscheidet, was dort zu sehen sein soll, sondern ich.

Alle Cover mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Zum Schluss noch eine kurze Fragerunde: Dampf oder Äther? Schreibmaschine oder Computer? Tee oder Kaffee? 

Dampf – Computer – weder noch

 

Vielen Dank, Jasmin, für die Beantwortung meiner Fragen.

 

Ihr seid neugierig geworden auf Steampunk? Was dieses Genre außer Literatur noch alles beinhaltet, könnt ihr in dem Blogbeitrag Steampunk – Eine kurze Einführung nachlesen. Oder ihr taucht direkt in diese Welt ein und lest „Castle Rose“ oder ein anderes Buch mit diesem Setting. Eine entsprechende Liste mit Büchern und Medien bei uns findet ihr hier.

Eure Christin Barthelmie

 

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