Sag mir, was du liest …… Ein Interview mit uns

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Hallo liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Juri Fischer und ich arbeite seit Oktober 2021 im Team der Stadtbücherei Erkrath. Nachdem ich mir bereits mit Interesse die Antworten meiner Kollegen in der Rubrik „Sag mir, was du liest … Ein Interview mit uns“ durchgelesen habe, möchte ich mich auch den Fragen zu meinen Lektürevorlieben stellen. Los geht’s:

 

Hallo Juri,

welches Buch hat dich als Kind total in seinen Bann gezogen?

Ich war schon lange erwachsen, als mich eines Tages meine Mutter fragte, ob ich das Bilderbuch „Werner und sein Roter Kipper“ wiederhaben wollte – wenn nicht, würde sie es wegwerfen. Sie meinte, das wäre als Kind mein Lieblingsbuch gewesen. Erstaunt nahm ich es an mich – ein preiswertes Pappbilderbuch aus dem Carlsen Verlag. Ich konnte mich so gut wie gar nicht daran erinnern.

Es geht um den Arbeitstag von Werner, der einen roten Anhänger-Kipper-Wagen fährt. Zuerst erhält er eine Ladung Kohlen auf die Ladefläche, dann sieht man, wie er damit durch die Stadt kurvt. Originaltext mit der Frage an den jungen Zuhörer: „Wo wird er die Kohlen hinbringen? Wird er sie in den See schütten? Nein, das wäre schade.“ Wie zu erwarten liefert er sie an einen Kohlenkeller. Am Ende des Buches transportiert er eine Ladung Sand und hält schließlich an einem Kinderspielplatz, wo er seine Ladung in die Sandkiste gleiten lässt. Darüber freuen sich die Kinder, die nun endlich wieder im Sand spielen können.

Im Nachhinein ist es schwierig herauszufinden, was mich an diesem Buch so begeistert hat. War es der riesige Kipperwagen, der so einen Eindruck auf mich gemacht hatte? Oder war es die Botschaft, dass man mit seiner Arbeit andere Menschen beglücken konnte?

 

Welcher Roman fällt dir ein, wenn du an deine Jugendzeit denkst?

Meine Jugendzeit war hauptsächlich Serienzeit. Es fing an mit den Detektivserien von Enid Blyton, ging weiter mit Alfred Hitchcocks Die drei ???, Stefan Wolfs TKKG und ab 13 Jahren waren Weltraumserien wie Mark Brandis und Perry Rhodan dran.

Aus all den Serien greife ich mir „Die drei ??? und der Karpatenhund“ heraus, weil es für mich ein besonderes Buch ist. Eine Hundestatue aus Kristall, die einem Mörderhund aus einer düsteren Sage nachempfunden ist, ein Mandala und ein Geist in einer Kapelle kamen darin vor, wodurch die Atmosphäre der Geschichte etwas nicht Greifbares, Mysteriöses erhielt – viel stärker das als in anderen Büchern der Reihe der Fall war. Dazu trug auch das Titelbild bei, bei dem ich nicht genau wusste, ob es sich bei der abgebildeten Gestalt um einen Hund oder nur um einen verkleideten Menschen handelt. Außerdem war es der erste Drei ???-Fall, bei dem Personen nach Anschlägen in Lebensgefahr schwebten, so dass ich mich zum ersten Mal fragte: Werden sie sterben? Nein, sie kamen durch.

 

Welche Bücher liest du heute gerne?

In meiner späten Jugendzeit habe ich die Literatur entdeckt. „Naked Lunch“ von William S. Burroughs war lange Zeit mein Lieblingsbuch. Groteske Szenen aus dem imaginären Land „Interzone“, das am Schnittpunkt von Okzident und Orient liegt, gepaart mit Gesellschaftskritik, dargeboten in einer avantgardistischen Sprache. Das begeisterte mich und führte dazu, dass ich schnell durchgelesen und später immer wieder darin geblättert habe.

Mein heutiger Geschmack ist noch ähnlich gestrickt: Ich mag es, wenn ein Autor gesellschaftliche oder zwischenmenschliche Themen behandelt und dafür eine ganz eigene Ästhetik entwickelt hat. In diese Kategorie fällt z.B. „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace, wovon ich die ca. 1500 Seiten innerhalb von wenigen Wochen gelesen habe. Zuletzt hat mir „Identitti“ von Mithu Sanyal besonders gut gefallen.

Außerdem mag ich gern Sachbücher aus den Bereichen Soziologie und Psychologie.

Eine Lesebiografie in drei Büchern

Gab es auch ein Hörbuch oder einen Film, der dich begeistert hat?

Ein Hörbuch gibt es nicht, aber etwas anders. Ich habe niemals „Der Herr der Ringe“ gelesen. Am Anfang der 90er Jahre sendete der WDR über Ostern die vollständige Hörspielfassung dieses Klassikers von JRR Tolkien. Jeden Morgen um 8 Uhr und jeden Abend um 18 Uhr kam eine Doppelfolge. Das ganze Buch in wenigen Tagen zu hören, war eine sehr intensive Erfahrung. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein Buch oder eine Verfilmung daran heranreichen könnte, habe ich danach vom „Herrn der Ringe“ nichts mehr an mich herangelassen.

Lieblingsfilme wechseln ständig. Regisseure, von denen ich recht viele Filme gesehen habe, sind Dominik Graf, Sion Sono und Claude Chabrol.

 

Wie ist es mit Spielen? Bist du ein Spielertyp?

Ich habe seit Jahren keine Gesellschaftsspiele mehr gespielt, fällt mir gerade auf. Das ist aber eher Zufall. Ich erinnere mich gern an gemeinsame Spielabende mit Scotland Yard oder den Siedlern von Catan.

 

Bist du ein Zeitungs- oder Zeitschriftenleser?

Ich habe früher recht viel Zeitung gelesen, aber seit es das Internet gibt, schaue ich mir eher einzelne interessante Artikel online an.

 

Musik begleitet uns durch unser ganzes Leben. Welche Musik tut dir immer wieder gut?

Da gibt es verschiedenen Bereiche. Einmal die Musik der schönen Melodien und großen Gefühle, z.B. ABBA, Rainald Grebe und Brings. Dann die Rockmusik der 70er Jahre, etwa Frank Zappa, Can und Funkadelic. Und schließlich etliche Jazz-Interpreten wie John Coltrane, Charles Mingus, Ornette Coleman, Albert Ayler und John Zorn.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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