Musiktipp – Rachmaninow: Piano Concerto Nr. 2 von Hélène Grimaud

Liebe Leser,

wir möchten euch gerne einen Musiktipp, -clip oder anderes musikalisches Gut vorstellen.

Sergej Wassilijewitsch Rachmaninow war einer der letzten Komponisten der alten Art – diejenigen, die selber ein Instrument beherrschten und dafür berühmt wurden, aber eben auch Stücke komponierten. Dass er am Klavier ein Virtuose wie kein anderer wurde, ist umso erstaunlicher, als dass er eigentlich aus ungünstigen Verhältnissen in die Szene einstieg; seine Eltern waren geschieden, seine Familie hatte nur wenig Geld und er bestand nicht einmal die Abschlussprüfung am St. Petersburger Konservatorium.

Sein Cousin Siloti konnte jedoch rechtzeitig erreichen, dass er beim berühmten Swerew ausgebildet werden konnte, und so geling es Rachmaninow, eine Oper als Abschluss seines Schülerdaseins zu schreiben, welche groß gefeiert wurde: „Aleko“. Er rutschte nach seinen ersten Erfolgen jedoch in eine tiefe Depression, aus der er durch die Hilfe des Dr. Nikolai Dahl wieder herausfand. Als Dank widmete Rachmaninow Herrn Dr. Dahl das „2. Klavierkonzert (op. 18)“.

Dieses Konzert gehört zu den Meisterstücken der Romantik, was mir persönlich nie so bewusst war, denn es ist einer meiner absoluten Lieblingskonzerte, vorzugsweise in der Aufführung von Hélène Grimaud. Grimaud sagte in einem Interview mit arte, sie sei „mit der deutschen Romantik großgeworden“; vielleicht liegt es ihr deswegen nahe, die Spielart Rachmaninows aufzugreifen.

Was mir an Grimauds Rachmaninow-Interpretation so gut gefällt, kann ich am besten mit ihren eigenen Worten aus einem Interview mit Peter Schlüer ausdrücken:

In Konzerten gibt es manchmal kurze Momente, in denen sich die Menschen selbst vergessen können, in denen sie zu einer Unmittelbarkeit der Wahrnehmung zurückfinden können, die sie als zivilisierte und kontrollierte Menschen verlernt haben.

 

Viel Spaß bei der unmittelbaren Wahrnehmung und einen schönen Tag!

von Philip Orr

Advertisements

Musiktipp – Johnny Collins – „Leave Her Johnny“

Liebe Leser,

wir möchten euch gerne einen Musiktipp, -clip oder anderes musikalisches Gut vorstellen.

Johnny Collins hieß der Mann, der zusammen mit Jim Mageean 1983 das „Intervision Song Contest“ in Rostock für sich entscheiden konnte. Um gleich nach dem ersten Satz abzuschweifen: wer das „Intervision Song Contest“ noch nicht kennen sollte, darf sich auf eine interessante Lektüre freuen. Es geht aber hauptsächlich um das osteuropäische(ehemals sowjetische) DDR-Pendant zum ESC, und da mein letzter Musikbeitrag schon sehr ausführlich in Richtung ehemaliger Ostblock ging, hört hier auch schon die erste Abschweifung auf.

Zurück zu Johnny Collins, gebürtiger Engländer aus Norfolk. Er war vor allem durch seine Sea Shanties (auch bekannt als Seemanslieder) populär. Sein damaliger Gewinn beruhte darauf, dass er und Jim Mageean im Gegensatz zu sämtlichen anderen Teilnehmern des Contests auf musikalische Begleitung verzichteten – und das Publikum im Refrain mit einbezogen. Seemannslieder eignen sich, wie ich finde, allgemein sehr gut, um das Publikum zum Chor zu machen.

Das altbewährte Lied „Leave Her Johnny“ soll wohl vor allem am Ende einer Schifffahrt gesungen worden sein; mit „Her“ ist hier das Schiff gemeint.

Viel Spaß beim Hören und denkt dran – immer ’ne Hand breit Wasser unter’m Kiel!

von Philip Orr

Musiktipp: Locomotiv GT – Egy dal azokért, akik nincsenek itt

Liebe Leser,

wir möchten euch gerne einen Musiktipp, -clip oder anderes musikalisches Gut vorstellen.

Manchmal frage ich mich, ob es in einer Zeit vor dem Internet, vor eingebetteten Videos auf Social-Media-Kanälen und vor den Bravo-Hits-Doppel-CDs nicht doch schöner war. Zumindest, wenn man sich vorstellt, man müsste in den lokalen Plattenshop (oder ähnliches) gehen, um neue Musik zu finden. Natürlich war man in keiner Weise auf sich allein gestellt, denn es waren doch oft andere Menschen im Plattenladen da, mit denen man sich austauschen konnte – ungeachtet dessen das Radio, Neuerscheinungslisten und die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda unter Freunden.

Der Plattenladen. CC0 Creative Commons

Diese Art der Musikgespräche unter Freunden ist, gottlob, noch nicht ausgestorben. Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem guten Freund über die Musik in der UdSSR. Er empfahl mir die Ungarische Band Locomotiv GT (oder LGT), dessen Stil Jazz mit Hard Rock kombiniert und die seines Erachtens das Sowjetische Pendant zu Jimi Hendrix gewesen waren.

Weiterlesen

Musiktipp: Bonga Kuenda – Mona Ngi Xica

Liebe Leser,

wir möchten euch gerne einen Musiktipp, -clip oder anderes musikalisches Gut vorstellen.

Bonga Kuenda ist ein angolanischer Musiker, der eigentlich José Adelino Barceló de Carvalho heisst. Er wurde unter seinem Künstlernamen bekannt, die er aus Gründen der Verfolgung annehmen musste.

Während des angolanischen Bürgerkriegs wurde wegen seiner damals als staatsfeindlichen geltenden Musik und wegen seiner Befürwortung der Unabhängigkeit Angolas von Portugal einen Kopfgeld auf ihn verhängt. Auf der Flucht vor der portugiesischen Geheimpolizei hielt er sich wechselweise in Deutschland, Frankreich oder Belgien auf. Im Exil in Europa veröffentlichte er weiterhin Musik, darunter auch „Mona ngi xica“ – übersetzt „Mein Kind, das ich hinterlasse“.

In einem 2014 geführten Interview mit dem taz erzählte Bonga über das Spielen in Angola:

„Wenn ich dort auftrete, dann spiele ich immer Stücke daraus. Die Leute applaudieren, sie singen und tanzen mit, und wenn ich Autogramme gebe, stehen sie Schlange. Aber im Radio werden diese Stücke nicht gespielt.“

 

Viel Spaß beim Hören und einen schönen Tag!

von Philip Orr

Musiktipp: Edvard Grieg – Ases Tod

Liebe Leser,

wir möchten euch gerne einen Musiktipp, -clip oder anderes musikalisches Gut vorstellen.

Edvard Grieg war ein Komponist und Musiker des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der heutzutage durch seiner Suite „Peer Gynt“ bekannt ist. Ihr, liebe Leser, kennt ihn mit Sicherheit auch. Auszüge aus dem „Peer Gynt“ Suite wie beispielsweise „Morgenstimmung“ oder „In der Halle des Bergkönigs“ gehören mittlerweile zu den von fast allen Menschen bekannten klassischen Ohrwürmer.

Heute möchte ich aber lieber über eins der weniger bekannten Lieder aus dieser Suite schreiben, nämlich „Ases Tod“. Dazu sollte man wissen, dass die von Grieg komponierte Suite als musikalische Begleitung eines gleichnamigen Theaterstücks („Peer Gynt„) von Henrik Ibsen entstand. Der Auftrag dazu kam von Ibsen höchstpersönlich, als er und Grieg sich in Rom kennenlernten. Im Stück ist „Ase“ die Mutter des Protagonisten und eine der wenigen Charaktere, die viel von ihm hält.

Mir persönlich hat die Musik immer besser gefallen als das eigentliche Theaterstück. Grieg selber hatte nie Gefallen an das Theaterstück gefunden und veröffentlichte seine Suite deswegen (und weil er dachte, seine Musik würde es nie mit diesem Theaterstück aus Norwegen herausschaffen) getrennt als Gesamtkomposition. Das Lied „Ases Tod“ halte ich persönlich für eines der bitterschönsten, traurigsten Stücken der Klassik.

Viel Spaß beim Hören und einen schönen Tag!

von Philip Orr