Eva Strittmatter – Kunsterspring

Hallo liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer,

ja, heute gibt es wieder etwas auf die Ohren 😉

Ab und an wurden wir schon lyrisch auf unserem Blog, was Euch gut gefallen hat. Deshalb möchten wir Euch von Zeit zu Zeit mit etwas Lyrik den Tag verschönern. Eine gute Gelegenheit, um innezuhalten und auf ganz andere Gedanken zu kommen. Wenn Ihr Wünsche habt, schreibt es in die Kommentare. Wir schauen dann gerne in unserem Lyrik-Bestand oder befragen das Netz.

Hach, und ich bin ganz im Glück. Auf der Suche nach einem Sommergedicht für Euch habe ich ein Neues für mich entdeckt: von Eva Strittmatter. So viele Jahre begleiten mich ihre Gedichtbände nun schon! Aber dieses Gedicht spricht erst heute zu mir…

Schaut und hört selbst 🙂 Ich finde, diese Bilder fangen den ganzen Zauber des Sommers ein.

 

Eva Strittmatter (1930-2011)

Kunsterspring

Wie waren die Wälder finster.
Und im Winter: wie waren sie weiß.
An den Wegrändern blühte der Ginster.
Und die Sommer: Die Sommer warn heiß.
Die Tage warn blau von Lupinen.
Und morgens war die Welt neu.
Wir aßen die Sonne. Und tranken den Regen.
Und schwammen im Juni im Heu.
Und damals gab es Libellen.
Und man sah sie zum erstenmal.
Und der Großvater erzählte von Quellen
Hinterm Walde. In einem Tal.
Die hatten auch einen Namen.
Der hieß Kunsterspring. Kunsterspring …
Und wie viele Jahre verkamen.
Und wieviel Leben verging.
Und der alte Mann ist hinunter.
Und ich weiß den Weg nicht mehr.
Doch ich suche den Spring noch immer.
Und mir ist, als ob ich ihn hör.

(aus: Eva Strittmatter: Ich mach ein Lied aus Stille. 4. Aufl. 1978, © Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, S. 9)

Mit sommerlichen Grüßen
Eure Beate Sleegers

Poesie liegt in der Luft

Liebe Leser,

liebt Ihr Geschichten, Erzählungen und Gedichte? Dann ist heute Euer Tag, der Welttag der Poesie!
Wir lassen der kleinen Schwester der Poesie, der Lyrik den Vortritt und den Dichter selbst zu Wort kommen: 😉

Joachim Ringelnatz – Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
gegen den Wind an den Baum,
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

Welttag der Poesie

Die UNESCO hat den 21. März zum „Welttag der Poesie“ ausgerufen. Er wurde erstmals im Jahr 2000 begangen. Der Welttag soll an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern. Weiterlesen

WILHELM MÜLLER – Gefrorene Tränen

Liebe Leser,

ab und an wurden wir schon lyrisch auf unserem Blog, was Euch gut gefallen hat, wenn die Statistik nicht lügt 😉 .

Deshalb möchten wir Euch von Zeit zu Zeit mit etwas Lyrik den Tag verschönern. Eine gute Gelegenheit, um innezuhalten und auf ganz andere Gedanken zu kommen. Wenn Ihr Wünsche habt, schreibt es in die Kommentare. Wir schauen dann gerne in unserem Lyrik-Bestand oder befragen das Netz.

Heute habe ich ein sehsuchtsvolles und zur Jahreszeit passendes Gedicht für Euch herausgesucht, sanft vorgetragen von Anna Thalbach.

Gefrorne Tropfen fallen
Von meinen Wangen ab:
Und ist’s mir denn entgangen,
Daß ich geweinet hab?

Ei Thränen, meine Thränen,
Und seid ihr gar so lau,
Daß ihr erstarrt zu Eise,
Wie kühler Morgentau?

Und dringt doch aus der Quelle
Der Brust so glühend heiß,
Als wolltet ihr zerschmelzen
Des ganzen Winters Eis!

 

Kennt Ihr Wilhelm Müller? Ich nicht, meinte ich. Weiterlesen

Literaturtipps im Advent

Liebe Leser,

sind wir doch ehrlich, über einen Adventskalender freut man sich auch, wenn man den Kinderschuhen entwachsen ist. Deshalb möchte ich heute aus der Fülle virtueller Adventskalender zwei Adventskalender empfehlen, die garantiert nicht dick machen und dafür mehr literarisch sind 😉 .

Schwibbogen. Volkskunst. Erzgebirge. IMG 4455WI

von Kora27 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Für die Großen

54stories hat wieder einen exclusiven, literarischen Adventskalender zusammengestellt: jeden Tag eine Geschichte, 24 Originaltexte.

Es gibt nie genug Geschichten.

54stories ist eine Plattform für Prosa und Lyrik, die alles sein und alles sagen kann. Wir beginnen unsere Textsammlung mit einem literarischen Adventskalender, für den wir an dieser Stelle ab dem 1.12. jeden Tag eine Geschichte oder ein Gedicht freischalten werden. Hinter unseren Türchen verstecken sich junge Autoren, die mit ihren Gedanken den besten Schutz gegen vorweihnachtliches Gefühlsduseln bieten. (Quelle: http://54stories.de/plattform/)

Die Kalendertürchen sehen nicht nur sehr viel versprechend aus, auch die ersten Stories waren packend und inspirierend, wir dürfen weiter gespannt sein 🙂 .

 

Für die Kleinen

Durch den lesenswerten und kurzweiligen Literaturblog Juli liest bin ich auf einen wunderschönen Adventskalender aufmerksam geworden. Kennt Ihr das Kinderbuch „Du spinnst wohl“ von Kai Pannen? Nein, dann schaut mal hier rein:

Bis zum 24. Dezember kann man sich dann an kleinen Spielen, Mitmachaktionen oder Gewinnen rund um Spinne Karl-Heinz und Fliege Bisy erfreuen. (Quelle)

24 Kapitel im Buch, 24 Türchen im Adventskalender. Ich habe die erste Geschichte gehört, habe als Zweites Neues über Spinnen am Weihnachtsbaum erfahren und am nächsten Tag ein Spiel geladen und was soll ich sagen, ich bin begeistert 🙂

Überzeugt Euch einfach selbst: http://www.duspinnstwohl.de/ 🙂

Eine frohen Advent wünscht Euch
Eure Beate Sleegers

Wislawa Szymborska – Heimkehr … und mehr

Liebe Leser,

… Wir schreiben in unserer Lyrik-Rubrik immer:

Wenn Ihr Wünsche habt, schreibt es in die Kommentare. Wir schauen dann gerne in unserem Lyrik-Bestand oder befragen das Netz.

… Und es passiert tatsächlich :-).

Unsere Leserin Pierrine Augat kommentierte unseren letzten Lyrikbeitrag am 18. August 2016 um 16:32:

Danke für das schöne Gedicht! Mein Wunsch:
Es gibt welche die,
von
Wislawa Szymborska.
Liebe Grüße, Pierrine Augat

Wie schön! Auf geht’s, Leserwünsche erfüllen.

Wenn Wünsche wahr werden…

Mir war der Name neu und ich fragte sogleich meine Kollegin, die in Polen zur Schule ging, ob sie Wislawa Szymborska kenne. Ihre Augen leuchteten: „Diesen Namen kennt in Polen (fast) jeder!“

Wir haben in der Bücherei von der Lyrikerin den Gedichtband „Hundert Freuden“. Ein Gedicht, das mich sehr angerührt hat, habe ich daraus für Euch ausgewählt:

Heimkehr

Er kam zurück. Sagte nichts.
Klar, daß er Ärger hatte.
Legte sich hin in Kleidern.
Verbarg den Kopf in der Decke.
Zog seine Knie an.
Er ist etwa vierzig, doch nicht in diesem Moment.
Er ist – aber nur soviel wie damals im Mutterleib,
hinter den sieben Häuten, im schützenden Dunkel.
Morgen wird er den Vortrag halten über Homöostase
in der metagalaktischen Kosmonautik.
Vorläufig liegt er zusammengerollt
und schläft.

Auf YouTube gibt es nicht viel in deutscher Sprache von Wislawa Szyymborska. Hier meine Gedichtauswahl für Euch. Das Erste trägt Brigitta Assheuer vor, das Zweite der stimmgewaltige Lutz Görner: Weiterlesen